Freitag, 9. August 2013

Tipps, wenn Sie eine richtig schlechte Trauung haben wollen

10.
(c) Heike / pixelio.de
Überlassen Sie die Wahl der Location nicht dem Zufall. Es besteht immer ein Risiko, dass die Gemeinde, zu der Sie gehören, nur über ein unschönes Multifunktionsgemeindehaus aus den 1960erjahren verfügt. Suchen Sie sich eine schnuckelige kleine Kirche, die sich gut auf den Hochzeitsfotos macht, in der die Stuhlkissen farblich zum Brautstrauß passen und von der es nicht allzu weit zu der Location ist, an der Ihre Feier stattfindet.

9.
Lassen Sie sich nicht irgendeine_n Pfarrer_in aufs Auge drücken - hier gibt es deutliche Unterschiede! Informieren Sie sich im Internet, rufen Sie geeignete Kandidaten an und lassen Sie sich Probepredigten schicken. Wenn ein oder zwei in die engere Auswahl gekommen sind, erkundigen Sie sich, wann er oder sie das nächste Mal einen Gottesdienst hält, in dem man ihn oder sie begutachten kann. Bitten Sie ruhig um eine Einschätzung, wann im Gottesdienstverlauf die Predigt dran ist - man muss sich ja nicht den ganzen Sonntagmorgen kaputt machen lassen. Ihr Wunschkandidat muss nicht zwingend aus der Gegend kommen, in der die von Ihnen bevorzugte Kirche liegt - Pfarrerinnen und Pfarrer fahren an einem Samstag im Frühsommer gern ein paar Stunden durch die Gegend, und mit dem, was Sie an Kirchensteuer in den Laden pumpen, sind die Benzinkosten mehr als abgegolten!

8.
Wenn Sie sich für einen Liturgen/eine Liturgin entschieden haben, lassen Sie sich nichts erzählen und bleiben Sie kritisch. Geistliche haben oft erschreckend wenig Ahnung vom Ablauf eines Traugottesdienstes; vertrauen Sie daher lieber auf die Angaben in diversen Internet-Hochzeitsforen.

7.
Delegieren Sie, wo Sie können, und vernetzen Sie Kompetenzen. Fragen Sie, ob das Traugespräch nicht mit dem Weddingplanner geführt werden kann - der hat ein gutes Auge für das Gesamtkonzept Ihres ganz besonderen Tages, das er dem zuständigen Pfarrer vermitteln kann, und Sie haben mit dem ganzen anderen Rest weiß Gott genug um die Ohren. 

6.
Wenn Sie selbst das Traugespräch führen, sollten Sie möglichst konkrete Vorstellungen von Ihrem gewünschten Ablauf haben (s. Punkt 8), darum geht es bei einem solchen Planungstreffen. Falls das Gespräch in Ihrer Traukirche stattfinden kann, lässt sich damit vielleicht gleich eine Stellprobe verbinden. Dann können auch andere am Gottesdienst Beteiligte dabei sein, z.B. ein Fotograf, der gleich die Lichtverhältnisse prüfen kann (s.u., Punkt 3). Geben Sie die Kontaktdaten des Pfarrers/der Pfarrerin an alle weiter, die irgendwie am Gottesdienst beteiligt sein könnten. Ihre zuständigen Geistlichen sind über ein bisschen Abwechslung in der Regel dankbar und sprechen gern über Blumenschmuck und dergleichen. Bitten Sie auch um einen Vorabdruck der Traupredigt, damit Sie von eventuellen Überraschungen verschont bleiben und alles nach Ihren Vorstellungen verläuft.

(c) JMG / pixelio.de
5. 
Sprechen Sie den Blumenschmuck auch mit der Küsterin ab. Gerade alte Kirchen sind so kalt, dass sich Blumen dort mehrere Tage halten. Versuchen Sie, die Kirche schon ab Donnerstag zu blocken - immerhin wird dank Ihres Traugottesdienstes der Laden endlich mal voll. Dann können Sie die Blumen ganz entspannt bereits vorher anliefern lassen; der Kirchenchor kann auch mal woanders proben. Klären Sie ab, ob eventueller Altarschmuck auch nach Ihrer Hochzeit in der Kirche bleiben kann - die Gemeinde wird sich über diese Dekoration freuen, und Sie können die Kosten dafür guten Gewissens mit der Kollekte verrechnen. 

4.
Beginnen Sie rechtzeitig mit der musikalischen Planung in Zusammenarbeit mit dem/der zuständigen Kirchenmusiker/in. Leider haben diese oft einen etwas beschränkten musikalischen Horizont und sind sehr auf die altmodisch-kirchlichen Sachen festgelegt. Machen Sie Vorschläge zum Orgelvor- und nachspiel, schicken Sie dem Organisten ein paar youtube-Links, dann weiß er ganz genau, was gemeint ist und braucht auch keine Noten. Wenn Sie keine Orgelmusik mögen, schlagen Sie Einspielungen von CD vor - eine Lautsprecheranlage haben die meisten Kirchen, meist tut es auch ein leistungsstarker Verstärker, und vielleicht können Sie damit den Preis ein bisschen drücken - immerhin hat der Organist dann weniger Arbeit. Wenn Sie eine Schwester haben, die schon im Schulchor ein Solo gesungen hat - umso schöner! Der Kirchenmusiker wird nichts gegen ein paar zusätzliche Probentermine einzuwenden haben, zumal die Zusammenarbeit mit Nicht-Profis oft einfacher und entspannter ist als mit professionellen Musikern.

3.
Buchen Sie eine professionelle Fotografin, gerne mit Hochzeitserfahrung. Sie kann mit dem zuständigen Pfarrer absprechen, an welcher Stelle im Altarraum die Lichtverhältnisse am Besten sind und wo er während der Trauung stehen soll. Unterschätzen Sie dabei aber nicht den Charme spontaner Schnappschüsse - ermutigen Sie Ihre Gäste, Ihre Smartphones mitzunehmen und eigene Fotos zu machen.

2.
Kleinliche Streitigkeiten zwischen den Konfessionen gehören in das unaufgeklärte Dunkel früherer Jahrhunderte. Und der Ökumene ist jede Kirche verpflichtet. Erinnern Sie Ihre Pfarrerin ruhig daran, wenn diese Ihnen das Ave Maria ausreden und irgendwelche Ideologien aufdrücken will. Falls Ihnen etwa Bibelverse so gar nicht zusagen, lässt sich sicherlich auch ein Trauspruch aus dem Kleinen Prinzen verwenden. Sollte sich Ihre Pfarrerin als zu engstirnig erweisen, drohen Sie mit Kirchenaustritt. Das zieht meistens.

1.
Machen Sie sich und allen Beteiligten immer wieder klar, dass von dem planmäßigen Gelingen des Hochzeitstages Gedeih oder Verderb Ihrer gesamten Ehe abhängt! 


(c) Dieter Schütz / pixelio,de

Kommentare:

  1. selten so etwas abwertendes gelesen.
    warum heiratet man kirchlich, wenn man eigentlich mit dem ganzen liturgischen zeug nichts zu tun haben möchte und liturgen ohnehin nur als marionetten angesehen werden?
    eine hochzeit auf einem schloss ist auch recht hübsch und könnte eine alternative sein - und man braucht sich nicht mir pfarrern, mesnern oder sonstwem, der/die anscheinend keine ahnung hat, herumzuärgern.

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    1. Hallo Anonym!
      Danke für die Rückmeldung. Was das "Abwertende" angeht - Zuspitzung muss bei Satire sein.

      In der Tat gibt es mittlerweile auch festlichere Möglichkeiten als das klassisch-dröge Standesamt. Trotzdem entscheiden sich viele Paare, trotz wenig kirchlicher Bindung, für eine kirchliche Trauung. Das liegt oft sicherlich an der Professionalität der "Inszenierung", die Standesbeamte in den seltensten Fällen nicht leisten können. Das liegt oft vielleicht auch an einem unbestimmbaren Gefühl, dass es irgendwie "mehr" gibt als das, was man sieht. Ein Grund kann auch schlichtweg die Tradition sein. Mit all dem kann man in Traugesprächen arbeiten, kann gemeinsam Formen entwickeln, die die Botschaft eines TrauGOTTESDIENSTES in einer für die Gemeinde stimmigen Art vermitteln kann. Das setzt allerdings eine Gesprächsbereitschaft von beiden Seiten voraus...

      Herzliche Grüße
      von den Kirchengeschichten

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    2. Als erwachsener Mensch (und Brautpaare sollte das wohl sein) kann man sich selbstverständlich selbst entscheiden, wo und vor wem man sich gegenseitig das JA Wort geben möchte.
      Wenn man sich dafür entscheidet vor GOTT sich das gegenseitige Eheversprechen zu geben, so sollte man auch die kirchlichen Regeln beachten. Zumindest sollte man dann auch an GOTT glauben und wenn man in einer Kirche (egal ob katholisch oder evangelisch oder was auch immer) sich trauen lassen möchte, dann ist doch der Glaube an diese kirchliche Gemeinschaft das mindeste was sein sollte.
      Die Trauung selbst ist doch schließlich kein Kasperltheater sondern der Beginn der Ehe und niemand wird gezwungen diese in der Kirche vor Gott zu begehen.
      Ich stehe doch auch mit meinen Partner vor dem Altar (oder Standesbeamten) und nicht mit einem ausgeliehenen Superschönling, weil er einfach besser aussieht als der, mit dem ich mein Leben verbringen möchte.

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    3. Hallo Gitti - und danke für die Gedanken!
      Im Kern teile ich die Ansichten. Aber gleichzeitig glaube ich, dass die Wahrheit oft prozesshafter ist. Viele Paare haben eine irgendwie geartete Form kirchlicher Sozialisation durchlaufen, sind - irgendwie, irgendwo, irgendwann - mit der Kirche in Berührung gekommen. Und haben vielleicht die Erfahrung gemacht, dass die Kirche mit ihrem Leben nicht Schritt gehalten hat. Die kirchliche Trauung ist oft eine Chance, hier anzuknüpfen, verschüttete oder ruhende Fragen aufzugreifen und mit Menschen über ihre Wünsche und Ängste und Hoffnungen zu sprechen. Zumindest erlebe ich das oft so.
      Herzliche Grüße
      von den Kirchengeschichten

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  2. Florian Unterberger12. August 2013 um 20:44

    Auch wenn etliche Wünsche natürlich skurril sind, zeigt dieser Blogeintrag und die Reaktionen darauf, dass die Kirche noch immer nicht verstanden hat, dass sie ein Dienstleistungsbetrieb ist und in Konkurrenz zu anderen Anbietern steht. Viele hier aufs Korn genommene Wünsche sind absolut verständlich und werfen weder theologische, noch liturgische Probleme auf - sie erfordern aber Kreativität und Flexibilität im Umgang sowohl mit den pfarrlichen Strukturen als auch mit dem Brautpaar. Noch gibt es junge Menschen, die zumindest kirchlich heiraten wollen - aber bald werden wir die auch vertrieben haben, weil wir nicht bereit sind, bei den lächerlichsten Nebensächlichkeiten Kompromisse zu schließen.

    Zu den Forderungen im Einzelnen:

    @ 10: Es ist überhaupt nichts Verwerfliches daran, wenn sich ein Brautpaar für seine Trauung eine Kirche aussucht, die ihm gefällt. Jene Paare, die in einer Gemeinde verwurzelt sind, werden ohnedies ein Bedürfnis haben, dort zu heiraten. Und bei allen anderen müsste die Kirche eigentlich dringend einen Katalog entwickeln, aus dem ihre Kunden eine Location aussuchen können.

    @ 9: Dasselbe gilt für die Zelebranten. Wo es ein Naheverhältnis zu einem Geistlichen gibt, wird der ohnedies gesetzt sein. Und wo es das nicht gibt, sollte die Kirche doch ebenfalls die Vielfalt ihres Personalangebotes als Chance betrachten.

    @ 8: Was kann es für einen Zelebranten Schöneres geben, als wenn ein Brautpaar mit inhalten Überlegungen und kreativen Gestaltungselementen zum Traugespräch kommt! Es zeugt von einem sehr klerikalen Kirchenbild, dies als Belästigung zu empfinden.

    @ 7: Anstatt sich über Wedding Planner lustig zu machen, sollte sich die Kirche fragen, ob man daraus nicht etwas lernen könnte: Viele Brautpaare wollen sich bei ihrem vermeintlich wichtigsten Tag professionell beraten lassen und lassen sich das auch einiges kosten.

    @ 6:
    - Bezüglich "konkreter Vorstellungen" siehe Punkt 8.
    - Bezüglich Stellprobe: Warum um alles in der Welt sollte die Kirche das nicht anbieten, wenn es nachgefragt wird?
    - Bezüglich Weitergabe der Telefonnummer: Ich halte es für selbstverständlich, dass es bei einer Hochzeit einen kompetenten Ansprechpartner (um nicht zu sagen Kundenbetreuuer!) geben muss. Ob das der Pfarrer sein muss, ist eine interne Strukturfrage.
    - Vorabdruck der Predigt: Angesichts vieler katastrophaler Hochzeitspredigten ein mehr als verständlicher Wunsch. In meinen Augen würde keinem Geistlichen ein Zacken aus der Krone fallen, wenn er zumindest eine grobe Skizze der geplanten Gedanken vorab besprechen würde.

    [...]

    Florian Unterberger

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  3. Florian Unterberger12. August 2013 um 20:44

    Fortsetzung:

    @ 5: In der Tat habe ich mich zumindest immer sehr darüber gefreut, wenn wir von der Pfarrgemeinde zumindest durch den Blumenschmuck mitbekommen haben, dass bei uns geheiratet wurde.

    @ 4: Siehe Punkt 8.

    @ 3: In der Kirche finden die wichtigsten Momente im Leben der Menschen statt - und die Kirche tut gleichzeitig alles, um die Menschen daran zu hindern, anderen von ihrer Freude zu erzählen. Die Ausleuchtung in Kirchen ist selten besser als in zwielichtigen Kellerlokalen und die Fotografen werden gezwungen, aus 10 Metern Entfernung ohne Blitz zu fotografieren. Und was spricht dagegen, an einer nach der Trauung die Mitfeiernden bewusst einzuladen, kurz nach vorne zu kommen und mit ihren Handys Fotos des Brautpaares zu schießen? Dass man die Gäste dazu auffordert, die Fotos übers kircheneigene WLAN auf Facebook zu posten, ist ein ungeheuerlicher Gedanke, den ich mich gar nicht traue, ernsthaft zu verlangen.

    @ 2:
    - Dass die evangelische Kirche ein ähnliches Faible für Marienlieder hat wie ich, ist mir bekannt. Aber wenn sich ein Brautpaar ein "Ave Maria" wünscht, wird sich auch in einer evangelischen Kirche nicht sofort der Kirchenboden auftun und die Rauchschwaden der Hölle emporsteigen.
    - Auch wenn wir den "Kleinen Prinzen" nicht mehr hören können: In meinen Augen ist es ein Grund zur Freude, wenn ein Brautpaar sich Gedanken über eine gelingende Ehe macht - schließlich ist das unzweifelhaft auch Gottes' zentrales Anliegen. Insofern wird es für einen Traupriester auch kein Problem sein, dem Brautpaar spontan ein paar Bibelstellen vorzuschlagen, die die Geschichte vom kleinen Prinzen gut theologisch einbetten können.

    @ 1: Ich finde den Gedanken einfach ungeheuerlich, einem Brautpaar nahezulegen, dass es gefälligst seinen Hochzeitstag nicht so wichtig nehmen soll.

    Je öfter ich diesen Blogeintrag lese, desto stärker befällt mich das Gefühl, dass der Autor möglicherweise sehr darunter leidet, dass er selbst nicht in einem attraktiven Kirchengebäude arbeiten darf, ihn sich wenige Brautpaare als Traupfarrer aussuchen und seine eigene Hochzeit vielleicht nicht so perfekt war. Dass der evangelische Pfarrer aber Jahrgang 1982 ist, macht mich sehr pessimistisch bezüglich des dringend notwendigen Paradigmenwechsels im Selbstverständnis der Kirche(n).

    Florian Unterberger

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    1. Hallo Florian Unterberger, und danke für die vielen Anmerkungen zu den einzelnen Punkten!
      Ich versuche mal, en bloc auf die mir am Brisantesten erscheinenden Punkte zu antworten. Den Spekulatius über meine eigene Hochzeit lasse ich mal raus, solcher Kartenlegerei kann man sich zwischen erwachsenen Menschen auch enthalten.

      Grundsätzlich ist wahrscheinlich unstrittig, dass es Differenzen im Selbstbild der Kirche und in ihrer Wahrnehmung durch die, die nicht zum inner circle gehören, gibt und es infolgedessen zu Irritationen kommt. In vielen Fällen lassen sich diese durch Dialog und durch das bewährte Motto „Interpretation statt Konfrontation“ lösen. Was aber nicht gänzlich zu lösen ist, ist die Tatsache, dass Kirche zwar auf dem Feld der Dienstleister auftritt, aber im Gegensatz zu anderen Anbietern ungleich stärker durch Standards gebunden und in der Angebotspalette beschränkt ist. Was mir in der ganzen Debatte aufstößt, und was auch in Ihrem Kommentar an manchen Stellen durchscheint, ist die pauschale Unterstellung, der Grund hierfür läge einseitig in pastoralem Hochmut und hierarchischer Kirchlichkeit begründet. Wenn der Eindruck manchmal entsteht, hat das sicher auch mit nicht zu leugnenden Kommunikationsschwierigkeiten unsererseits zu tun. Aber viele (liturgische) Traditionen sind nicht nur überkommene Formen (auch, wenn sie in vielen Fällen eine behutsame Formalisierung vertragen), sondern die bewährten Ergebnisse praktischer Überlegungen, die dazu dienen, die Trauung in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und ganzheitlich wahrzunehmen. Ganz kurz gesagt: Viele liturgische Traditionen sind sinnvoll, vielleicht sogar seelsorglich notwendig. Was man von vielen im Internet vorgetragenen Wünschen und Tipps nicht unbedingt sagen kann. Auch, wenn die Möglichkeit zum digitalen Austausch Chancen bietet, weil sie eine Demokratisierung (es gibt kein „Geheimwissen“ mehr) und für die Kirche die wenig genutzte Möglichkeit der Professionalisierung ermöglicht (im Schutz der Avatare geben Leute oft ehrlicheres Feedback).

      [...]

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    3. [...]

      Was den Umgang mit Medien angeht – hier ist die Kirche in den letzten Jahren weitaus offener geworden. Trotzdem gibt es m.E. auch hier Grenzen, die wiederum begründbar sind: Ich habe einmal erlebt, dass ein Ja-Wort wiederholt werden musste, weil es aufgrund des Klickens und Piepsens der Digicams nicht zu hören war – auch für ein Brautpaar ist so etwas nicht angenehm, ebenso wenig, we wenn sie beim Einzug in die Kirche nur in Smartphones gucken. Die Zusammenarbeit mit professionellen Fotografen ist da oft angenehmer, allerdings nicht immer: Ich habe auch einmal erlebt, dass der Fotograf um eine Wiederholung des Trausegens bat, weil er „ein anderes Objektiv“ ausprobieren wollte. Das ist wahrscheinlich ein unprofessioneller Einzelfall, trotzdem erinnert er mich daran, dass auch die Mediengesellschaft kritische Anfragen verträgt und braucht: Zum Beispiel, indem man daran erinnert, dass auch ein Foto oder ein Video einen besonderen Moment nie in seiner Ganzheit festzuhalten vermag. Und dass der eigene Blick und das eigene Erleben eingeschränkt ist, wenn man das Leben nur durch die Kameralinse betrachtet – das musste schon Max Frischs „Homo Faber“ lernen.

      Als Letztes: Doch, meiner Meinung nach ist es nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, Brautpaare daran zu erinnern, dass der „wichtigste Tag“ in ihrem Leben ein besonderer, aber eben ein Tag von hoffentlich vielen ist. Dass dieser Tag zunehmend aufgebläht wird, ist eine kulturelle Entwicklung, die nicht einfach vom Himmel gefallen ist, sondern durch Akteure vorangetrieben wird, die (finanzielle) Eigeninteressen haben. Hier kommt neben der Unterhaltungs- und Festartikelindustrie das Eventplanergewerbe ins Spiel, denn wie in jedem Wirtschaftszweig, so gilt auch hier, dass in weiten Teilen das Angebot erst die Nachfrage schafft. Professionelle wedding planner gehen auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden ein und verkaufen ihnen nicht unnötige Dienstleistungen; trotzdem sind auch sie Teil eines Gewerbes, das davon lebt, angehenden Eheleuten zu suggerieren: „Ihr braucht diesen Tag. Und dafür braucht Ihr uns.“
      Als Seelsorger gehört es zu meinen Aufgaben, im Dialog mit anderen die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste zu verstehen und zu deuten, die sie umtreiben. Dazu gehört, im Kontext der Hochzeit zu fragen: Was erhofft Ihr Euch von diesem Tag, was soll hier, oft mit marzipansüßer Prinzessinnenromantik, bewirkt oder aber kompensiert werden? Welche und wessen Erwartungen sollen hier erfüllt werden?

      Einstweilen herzliche Grüße
      von den Kirchengeschichten

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  4. ich finds ulkig - nehmt das doch nicht so ernst. Das sit eine Satire!

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  5. Wie soll man eine Satire kommentieren? Ich hätte da...


    10 Tipps für eine richtig gute Trauung

    10. Egal wie verknöchert oder modern der Pfarrer ist: Er hat das schon Hunderte Male gemacht. Selbst wenn er immer dieselbe Ansprache verwendet und nur die Namen austauscht. Der Heilige Geist wird schon dafür sorgen, dass die Trauung ein unvergessliches Erlebnis bleiben wird.

    9. Du sollst Dir kein Bildnis machen! Selbst wenn sogar der Pfarrer inzwischen ein Smartfon mit allen grafischen Möglichkeiten nutzen sollte, ist auch der empfindlichste Fotoapparat nicht in der Lage die geistlichen Schwingungen in der Kirche angemessen einzufangen. Daher sind auch ganz normale Erinnerungsfotos aus dem Gottesdienst grundsätzlich gotteslästerlich. Das Paar wird ja wohl noch in der Lage sein, hinterher die nötigen Fotos originalgetreu nachzustellen. Wenn sie nicht immer Baumstämme durchsägen und Herzen aus Bettlaken schneiden würden, wäre ja auch genügend Zeit dafür.

    8. Schon Jesus hätte nach der bestehenden Kirchenordnung dieser Kirche geheiratet, wenn man ihn nicht vorher gekreuzigt hätte. Irgendwelche Abweichungen davon sind reine Blasphemie, auch wenn außer einigen wenigen Angehörigen des inneren kirchlichen Zirkels kein Mensch mehr spontan den Sinn der diversen Wechselgesänge erkennt. Aber du darfst Dich drauf verlassen: Gerade die museale Liturgie bringt die Liebe des Brautpaares so richtig angemessen zum Ausdruck.

    7. Das Paar muss auf jeden Fall gemeinsam als Paar in die Kirche einziehen. Sonst wird hinterher in der Sakristei gelästert, wie viele Kamele der Bräutigam dem Brautvater zahlen musste. Das Brautpaar kann ja nichts dafür, dass der Pfarrer vergessen hat, wie ihm im praktisch-theologischen Proseminar der Sinn von "Passageriten" vermittelt wurde. Und meistens sind die Kinder vom Pastor auch noch nicht so groß (von kinderlosen Priestern mal ganz abgesehen) als dass er sich vorstellen könnte, wieviel mehr Ängste der Brautvater ausgestanden hat als die Bräutigammutter, als die Kinder immer später am Abend nach Hause kamen. Und dass jetzt angesichts von "Mann und Frau" Vater und Mutter eine ganz neue Funktion bekommen, und dass dies im Ritus ausgedrückt wird, scheint bei Pfarrers auch nicht angekommen zu sein.

    6. Auf keinen Fall darf nach der Trauung mit Reis geworfen werden. Erstens ist das ein ganz heidnischer Fruchtbarkeitsbrauch. Zwar geht inzwischen die gesamte Kartoffelproduktion der Lüneburger Heide in die Stärkeproduktion zur Herstellung der Armaturenbretter einer bekannten deutschen Automarke, aber zweitens: mit Lebensmitteln spielt man nicht. Selbst wenn es sich beim Anlass um ein Fest handelt, bei dem das Brautpaar einer alten biblischen Tradition zufolge zur Fruchtbarkeit verpflichtet wird.

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    1. 5. Moderne Liebeslieder können in keinem Fall die gegenseitige Liebe so angemessen ausdrücken wie alten Kirchenschlager a la "Großer Gott, wir loben Dich". Je unbekannter die Melodie und je altertümlicher der Liedtext, desto romantischer wird hinterher von allen die Trauung empfunden.

      4. Freuet Euch, heißt es in der Bibel. Darum ist auch Beifallklatschen in der Kirche völlig unangemessen. Das Evangelium ist einer ernst Angelegenheit, da darf man in der Kirche nicht einfach lachen und fröhlich sein. Auch bei einer Hochzeit nicht.

      3. Wie da im Hohenlied Salomos die Brüste der Braut im Detail beschrieben werden, ist dem Pfarrer mehr als peinlich. Auch wenn das Judentum in diesem Ausdruck der Liebe Gottes Liebe so gut abgebildet sah, dass es dieses Buch in den biblischen Kanon aufnahm. Dieser alberne US-amerikanische Brauch des Brautkusses verdirbt nicht nur die Jugend, er gehört in seiner Erotik definitiv nicht ein ein Gotteshaus und ist in einem Traugottesdienst agendarisch zu Recht nicht vorgesehen. Knutschen kann das Paar bekanntlich hinterher in Hochzeitsnacht in aller Ausgiebigkeit.

      2. Angesichts der Größe Gottes verblasst jede äußere Gestalt. Daher ist es auch völlig zweitrangig, ob die Kirche auf ein Brautpaar wohnlich und romantisch wirkt oder nicht. Die Kirche, in der die Brautleute getauft und konfirmiert wurden, ist ein Garant für eine schöne Hochzeit, egal wie baulich oder ästhetisch heruntergekommen die Kirche inzwischen sein mag.

      1. Persönliches hat in der Trauansprache nichts zu suchen, es interessiert auch nicht, wie sich das Paar kennengelernt hat, denn das Evangelium muss rein verkündet werden und die Festgemeinde soll endlich wieder einmal hören, was die Bibel ihr zu sagen hat.

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  6. Es kommt doch heute kaum noch vor, dass beide Eheleute aus der gleichen Gemeinde stammen. Also muß man sich schon für irgendein Gotteshaus entscheiden!
    Und da nur die wenigsten früher bei kirchlichen Zeremonien zugegen waren, wissen sie auch nicht, wie so eine evangelische Trauung abläuft! Es sei denn, sie sind schon ewig in einer Gemeinde engagiert!
    Sie kennen die Trauungszeremonie aus Film und Fernsehen. Und da wird wirklich dick aufgetrragen und alles blitzendweiß und tränennass dargestellt.
    Aber es ist eben auch wirklich märchenhaft schön und die süßen Brätute sind ja schließlich mit Barbiepuppen groß geworden. Woher sollen sie denn wissen, dass es auch anders geht?
    Vielleicht sollte die evangelische Kirche eine Pfarrerin-Barbie und einen Pfarrer-Ken herstellen lassen und verkaufen(biblische Namen wie Lisa und Lukas wären vielleicht angebrachter!). Dann könnten die Kinder schon mal proben und würden vielleicht Gefallen am Berufsbild und an der Kirchlichen Trauung finden. Ich für meinen Fall habe meinen Nachbarsjungen bestimmt tausendmal im Nachthemd meiner Mutter und mit einer alten Gardine auf dem Kopf geheiratet! ....weil es einfach schön war! Seine Schwester hat uns getraut. Und wenn die verhindert war, dann tat es ein anderer Nachbar. Die Pfarrerrolle war durchaus begehrt. Die wurde immer nur den Älteren zugesprochen!!!Vor 15 Jahren ist mein damaliger Ehegemahl an einem Herzfehler gestorben! Geheiratet hat erin seinem ganzen Leben nicht!
    Also: Es ist doch schön, wenn Menschen heute noch kirchlich heiraten! Egal, welche Fissematenten sie da durchsetzen wollen. Es ist doch auch ihr Tag. Warum wollen Sie Ihnen diesen unbedingt mit ihren altjüngferlichen Vorstellungen vermiesen? Wo doch schon zu Christie Zeiten in Kanaan gefeiert wurde bis zum Abwinken?

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