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Dienstag, 7. Juli 2020

Die Leitsätze des Z-Teams - Übersetzungsversuch vor einer Diskussion

Nach den jüngsten Austrittszahlen hat das Z-Team, ein Gremium der EKD-Synode, ein Papier veröffentlicht und zur Diskussion freigegeben. Meine erste Reaktion darauf war: "Och nee..." Weil es mir schwergefallen ist, hinter die selbst für EKD-Verhältnisse besonders verquaste Sprache zu steigen und die Anliegen des Papiers freizulegen. Ein Votum von Hanno Terbuyken bei Twitter und einiger anderer hat mich ermutigt, am Ball zu bleiben. Von Birgit Mattausch und Bernd Becker stammt der Impuls, die Leitsätze in Leichte Sprache zu übersetzen. Das habe ich als Annäherung an den Text versucht. Ich bin kein Experte für Leichte Sprache, und manches ist sicherlich stümperhaft bis karikaturesk, manches rundweg falsch. Trotzdem hat es mir geholfen, den Text besser zu verstehen.

Arbeitsübersetzung in Leichte Sprache

Vor-Wort

Die Kirche gehört Gott, auch in Zukunft. Aber sie hat bald weniger Mitglieder, weniger Geld. Es arbeiten auch weniger Menschen dort mit. In Deutschland gibt es mehr alte Menschen als Kinder. Deswegen wird die Kirche kleiner. Das ist aber nur ein Grund. Viele Menschen sagen: Ich kann mit dem Glauben nichts anfangen. Deswegen möchten Eltern nicht mehr, dass ihre Kinder getauft werden. Und deswegen verlassen Menschen die Kirche. Wenn das so ist, dann geht es nicht nur um Geld: Es geht auch um den Glauben. Die Kirche muss nicht nur Geld sparen und besser, schneller und nützlicher arbeiten. Sie muss sich auch verändern, weil die Welt sich verändert. Der Glaube tut das auch: Für Kinder sind andere Dinge am Glauben wichtiger als für Erwachsene oder alte Menschen. Die Kirche möchte von Gott erzählen. Dafür muss sie andere Worte und andere Wege finden.

Das Corona-Virus verändert das Leben von uns allen. Und das wird so bleiben. Auch in der Kirche wird es anders sein als vorher. Wir können nicht einfach zuhause bleiben. Und wir können nicht alles am Computer machen. Aber die Corona-Zeit hat auch gezeigt: Die evangelische Kirche hat tolle Ideen, obwohl sie nicht viel Zeit zum Nachdenken hatte. Sie hat Menschen geholfen. Und sie hat anders von Gott geredet als sonst. Das geht nur, wenn man mutig ist. Und das geht nur, wenn man glaubt: Gott verspricht: Ich helfe euch dabei.

Es ist wichtig, dass wir etwas tun. Es ist wichtig, dass wir Abstand halten. Aber wir dürfen uns nicht zuhause einschließen. Wir möchten anderen Mut machen. Im Jahr 2017 hat die Kirche viel an Martin Luther gedacht. Das war ein Pfarrer. Vor 500 Jahren hat er die Kirche neu gemacht. Aber wir haben nicht nur an Früher gedacht. Wir haben uns auch gefragt: Was können wir von ihm für die Zukunft lernen? – Wir haben uns einen Spruch aus der Bibel ausgesucht: „Hinaus ins Weite“. Das ist ein Satz aus einem Psalm, einem Gebet von König David. Für uns bedeutet das: Wir können uns frei bewegen. Wir können hingehen, wo wir wollen. Das ist ein Geschenk von Gott. Und das ist eine Aufgabe: Wir fragen uns: Wo brauchen die Menschen uns? Das wollen wir herausfinden. Wir finden: Menschen sollen bei uns mitmachen können. Wir wollen zusammen etwas machen. Wir wollen erzählen, was wir mit Gott erleben. Menschen sollen sagen: Ich glaube euch das, was ihr erzählt. Weil ihr euch so verhaltet. Ihr macht mich neugierig auf Gott.

Die Kirche wird kleiner. Aber sie wird weiter laut reden. Das geht nur mit anderen zusammen. Die katholische Kirche ist unsere Schwester, und andere auch. Das hat Jesus Christus, der Sohn von Gott, gesagt. Die Kirche ist auch ein Teil von der Gesellschaft. Gottesdienste und Beten sind uns wichtig. Aber auch, wie Menschen miteinander umgehen. Es gibt viele verschiedene Kirchen und Religionen. Sie sagen: Ich haben recht. Das ist gut. Menschen sind frei. Sie können selber entscheiden: Das glaube ich, und das glaube ich nicht. Das Besondere an der evangelischen Kirche ist: Wir leben mit Gott. Und wir versuchen, das Richtige zu tun. Deswegen lesen wir die Bibel. Da steht viel Gutes drin. Wir müssen die Kirche verändern. Dabei fragen wir: Wie können wir Menschen von Gott erzählen? Das ist wichtig für unsere Entscheidungen.

 

Öffentlichkeit

 1. Die Kirche redet und tut viel. Die Menschen sollen wissen: Warum sagt sie das, warum tut sie das? Früher hat die Kirche viel mehr geredet. Manche sagen: Zu viel. Jetzt möchte sie nicht mehr so viel reden. Nur noch dann, wenn wir sicher sind: Gott möchte, dass wir dazu etwas sagen. Wir sagen etwas anderes als andere Vereine und Menschen. Deswegen tun wir auch andere Dinge.

Jesus Christus hat uns etwas über Gott beigebracht. Das stimmt immer noch. Es ist gut für die Menschen, das zu hören. Jesus braucht keine große und reiche Kirche dafür. Die Kirche macht viele Sachen. Sie sagt: Jesus will das von uns. Das ist das Wichtigste. Jesus fragt jeden Menschen: Was findest du richtig? Gott sagt: Ihr sollt anderen Menschen helfen. Ihr sollt Gutes tun. Das kann sehr verschieden aussehen. Wir finden das gut. Aber manche finden das auch schwierig: Das Leben ist schwer zu verstehen. Wir wollen Menschen zeigen: Hier sind wir. Und wir wollen erklären: Warum sind wir hier?

Wir möchten Menschen helfen, über schwierige Dinge nachzudenken und zu reden. Zum Beispiel: Was passiert, wenn jemand stirbt? Oder: Ich habe etwas Schlimmes gemacht. Wer hilft mir jetzt? Oder: Wie kann ich ein glückliches Leben haben? Oder: Wer hilft mir, das schwierige Leben zu verstehen? Wir brauchen Lern-Orte. Da kann man über den Glauben reden. Das hilft, das Leben besser zu verstehen und Dinge zu verändern. Gott macht Menschen frei. Deswegen können wir anderen Menschen helfen. Es gibt auch Menschen, Politiker, und Religionen, die sagen: Ihr sollt nicht frei sein. Die Menschen sind uns nicht so wichtig. Das finden wir falsch. Das sagen wir ganz laut.

In der evangelischen Kirche gibt es das „Priestertum aller Getauften“. Das heißt: Wer getauft ist, ist so etwas wie ein Pastor. Er kann selbst mit Gott reden, ohne Hilfe. Aber es gibt in der Kirche auch Kommissionen. Das sind Arbeits-Gruppen, in denen schlaue Menschen sich mit schwierigen Fragen beschäftigen. Sie arbeiten zusammen mit anderen, mit Politikern und Künstlern und Wissenschaftlern. Sie suchen Antworten auf schwierige Fragen. Aber solche Arbeits-Gruppen sind teuer. Deswegen werden wir bald weniger davon haben. Und deswegen sagen sie nur noch manchmal etwas. Wenn das ganz wichtig ist. Und wenn wir glauben: Gott will jetzt, dass wir reden. Viele Menschen kennen nicht mehr so viele Geschichten aus der Bibel. Deswegen müssen wir das besser erklären. Wir wollen uns so verhalten, wie Gott das will. Dann glauben uns die Menschen.

 

Frömmigkeit

2. Es ist wichtig, dass wir über unseren Glauben erzählen. Weil viele Menschen nichts mehr darüber wissen. Aber das bedeutet nicht nur reden: Wir möchten zeigen, wie man den Glauben leben kann. Menschen sollen mehr wissen, damit sie mit-reden können. Es gibt in der Kirche viele alte Glaubens-Formen (Beten, Singen, Still sein und so weiter). Sie helfen uns auch heute. Und manches denken wir uns neu aus.

Wir möchten anderen nicht sagen, was sie glauben sollen. Wir sagen: Wir haben gute Ideen und Gedanken. Und wir erklären, woher wir diese Gedanken haben. So können andere uns besser verstehen. Wir glauben: Menschen soll es in der Welt gut gehen. Manche Leute haben keine Religion, aber wir arbeiten mit ihnen zusammen: Wir wollen, dass demokratische Gesetze eingehalten werden. Menschen sollen offen miteinander reden. Und wir sagen den Politikern, was wir gut oder schlecht finden. Wir finden: Jeder Mensch ist gleich viel wert. Jeder Mensch ist frei. Jeder Mensch soll gerecht behandelt werden. Wir sind gegen Krieg und für Frieden. Wir wollen auf unsere Umwelt aufpassen. Das finden wir, weil Jesus uns das gesagt hat.

Das alles ist wichtig, wenn die Kirche laut etwas sagt, zum Beispiel in der Zeitung oder im Fernsehen. Wir wollen, dass mehr Menschen etwas über unsere Religion wissen. Deswegen sollen Kirchen-Gemeinden und Universitäten zusammenarbeiten. Viele Menschen arbeiten in der Kirche. Sie sollen auch mit-reden können.

Menschen aus der Kirche reden auch mit Wissenschaftlern. Wir wollen mit ihnen nachdenken. Die Kirche wird kleiner. Trotzdem muss sie weiter laut reden. Vor allem sagen wir: Was glauben wir? Und wir reden noch mehr mit den Menschen, die zu uns gehören. Die Kirche bietet viele Kurse an. Da darf jeder hinkommen. Aber wir kümmern uns besonders um unsere Mitglieder und Freunde.   

 

Mission

3. Mission heißt: Wir erzählen Menschen über Gott. Andere Menschen sind genauso wichtig und klug wie wir selbst. Deswegen reden wir miteinander. Früher hat die Kirche oft allein geredet, und alle anderen sollten zuhören. Das wollen wir nicht mehr. Ämter und Behörden bekommen nicht mehr so viel Geld. Menschen und Gruppen, die zusammenarbeiten, bekommen mehr Geld.

Jesus Christus hat uns von Gott erzählt. Das ist uns wichtig. Wir glauben: Gott macht eine neue Welt. Wir zwingen niemandem zum Glauben. Das hat uns Christus beigebracht. Er hat sich um Schwache, Arme und Kranke gekümmert. Wir tun das auch. Wir können uns aber nie um alle kümmern. Wir sind nicht Gott.

Wir beschäftigen uns mit der Politik. Sie soll Gesetze machen, die gut sind. Wir helfen Menschen, denen es schlecht geht. Manche Menschen haben Fragen über ihren Glauben. Auch denen helfen wir. Wir helfen auch Nicht-Migliedern. Wir können aber nicht alles alleine machen. Deswegen arbeiten wir mit anderen Gruppen, Behörden und Menschen zusammen. Und wir wollen zeigen: Manches können wir besser als andere. Aber nicht alles können wir weitermachen. Manche Leute haben nicht viel Geld. Wir wollen, dass sie auch mitmachen können. Manchmal streiten Menschen. Dann wollen wir mit ihnen reden. Sie sollen zusammen eine Lösung finden. Das ist manchmal ganz schön schwer.

Wir arbeiten auch mit anderen Gruppen zusammen. Zusammen können wir tolle Sachen ausprobieren. Dann lernen Menschen auch etwas über den Glauben.

 

Ökumene

4. Es gibt in Deutschland viele verschiedene Kirchen. Sie arbeiten zusammen. Das ist gut. Wir sind verschieden – auch das ist gut. Wir wollen in Zukunft mehr zusammen machen. Aber wir müssen nicht eine einzige Kirche werden.

In Deutschland sind weniger als früher Menschen Kirchen-Mitglieder. Seit 100 Jahren arbeiten die christlichen Kirchen zusammen. Wir haben gelernt: Unterschiede sind gut. Wir wollen nicht unnötig streiten. Sonst haben die Menschen kein Vertrauen in uns und in Gott. Weil wir weniger Geld haben, müssen wir mehr zusammenarbeiten. Irgendwann möchten wir auch zusammen das Abendmahl feiern. Ganz oft arbeiten evangelische und katholische Leute gleichzeitig. Zum Beispiel bei der Polizei, bei der Bundeswehr oder in Krankenhäusern. Das muss nicht sein. Es reicht, wenn einer dort arbeitet. Zum Beispiel in 3 von 10 Krankenhäusern.

Wir können Menschen besser helfen, wenn wir zusammen arbeiten. Vielleicht können evangelische und katholische Menschen sogar eine einzige Gemeinde haben.  

 

Digitalisierung (Internet)

5. Die Kirche macht ganz viel im Internet. Dafür bekommt sie mehr Hilfe. Wir glauben: Das Internet und die Gemeinde zuhause gehören zusammen. Sie können voneinander lernen. Menschen lesen heute viel weniger Zeitung als früher. Deswegen gibt es mehr Geld, wenn die Kirche etwas im Internet oder für Handys macht.

Die Kirche redet von Gott. Dafür braucht sie Medien (Zeitungen, Bücher, Internet und so weiter). Die Kirche schreibt oft ganz lange Texte. Das geht jetzt nicht mehr: Menschen lesen nicht mehr so viel. Deswegen reden wir anders. Und wir müssen viel über Technik lernen. Und in den Gemeinden wird deswegen auch vieles anders. Wir müssen lernen: Wie reden wir so von Gott, dass Menschen uns verstehen? Wie erzählen wir von der Bibel, dass Menschen das gerne lesen?

Das Internet ist nicht nur zum Lesen da: Man kann hier auch Fragen stellen und mitreden. Manche finden Freunde. Man kann mit viel mehr Menschen reden als früher. Deswegen benutzt die Kirche auch das Internet. Aber wir finden es nicht besser oder schlechter als unsere normalen Kirchen-Gemeinden. Wir wünschen uns: Menschen reden miteinander, egal wo. Die Kirchen-Kreise und Landes-Kirchen benutzen neue Computerprogramme. Die machen vieles einfacher. Und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schreibt gute Texte und macht schöne Bilder und Filme für das Internet. Wir möchten auch Gottesdienst am Computer feiern. Und wir können durch Internet und Telefon ohne Probleme miteinander reden. Das haben wir in der Corona-Zeit gemerkt.

Das Internet hilft uns auch bei der Verwaltung: Vieles wird einfacher und schneller. Aber wir müssen noch viel mehr zusammenarbeiten. Verwaltung ist teuer. Und wir haben weniger Geld.

Es gibt viele schlimme Dinge im Internet: Menschen ärgern andere Menschen, sie sagen schlimme Sachen. Sie tun Gewalt mit Worten an. Es gibt auch falsche Nachrichten. Das finden wir nicht gut. Wir wollen, dass das Internet sicher ist. Niemand soll Angst haben, niemand darf andere belügen. Dafür setzen wir uns ein.

 

Kirchen-Entwicklung

6. Alle Menschen sind verschieden. Deswegen wünschen sie sich unterschiedliche Sachen von ihrer Kirche. Wir sagen nicht: Das eine ist richtig und das andere ist falsch. Wir möchten eine bunte Kirche, in der sich viele verschiedene Leute wohl fühlen. Deswegen gibt es besonders viel Geld für neue Ideen. Wir glauben: Verschiedene Gemeinde-Formen können voneinander lernen. Deswegen ist es wichtig, dass wir zusammen arbeiten. Wer das nicht möchte, bekommt kein Geld mehr.

Es gibt nicht mehr so viele Gottesdienste wie früher. Aber es gibt viel mehr verschiedene Gottesdienste als früher. Manche mögen den Gottesdienst am Sonntag-Morgen besonders gern. Aber manche mögen andere Gottesdienste lieber. Das ist schön, und das möchten wir unterstützen. Aber das müssen wir auch noch lernen. Viele Menschen leben heute allein. Deswegen ist es wichtig, dass sie in der Kirche mit anderen feiern können. Deswegen brauchen wir viele gute und neue Ideen, wie man Gottesdienst feiern kann.

Viele Menschen wollen heute ganz besondere Sachen erleben. Das ist ganz schön anstrengend. Wir finden wichtig: Junge und alten Menschen erleben zusammen etwas. Und Menschen aus verschiedenen Ländern auch. Es gibt heute viele Gruppen, die auch Gottesdienste feiern. Viele Menschen finden die schöner als unsere Gottesdienste. Deswegen müssen wir etwas verändern. Wenn jemand bei uns heiraten möchte, ist das heute sehr kompliziert. Das muss einfacher werden. Viele Familien reden heute nicht mehr über den Glauben. Deswegen ist es wichtig, dass sie das in der Kirche können. Dafür müssen wir uns unseren Stadt-Teil ganz genau angucken und fragen: Was passt zu den Menschen hier? Manchmal können sie mit den alten Gemeinde-Formen nichts mehr anfangen. Deswegen müssen wir uns neue Gottesdienste und neue Gemeinde-Formen ausdenken. Es kann nicht alles beim Alten bleiben.  Und wir müssen uns überlegen: Wo brauchen die Menschen die Kirche?

 

Zugehörigkeit

7. Manche Menschen finden die Kirche gut, aber sie wollen keine Mitglieder sein. Wir wollen auch mit ihnen zusammenarbeiten. Dafür brauchen wir neue Ideen. Wir fragen uns: Wie kann das gehen? Manche Menschen können auch nicht so viel Kirchen-Steuer bezahlen. Vielleicht möchten sie selbst entscheiden, wie viel Geld sie der Kirche spenden. Wir fragen uns auch: Warum ist es gut, wenn man Kirchen-Mitglied ist?

Wir glauben: In Zukunft sind weniger Menschen Kirchen-Mitglieder. Das heißt: Manche mögen die Kirche nicht. Und manche kennen die Kirche gar nicht. Manche Menschen möchten uns erst kennen lernen, und erst später Voll-Mitglieder werden.

Deswegen müssen wir nachdenken: Wie können Menschen bei uns mitmachen, wenn sie nicht Voll-Mitglieder sein wollen? Dafür müssen wir auch ein paar Gesetze ändern.

Für viele Menschen ist die Taufe wichtig. Manchmal feiern wir Tauf-Erinnerung: Wir erinnern uns zusammen an unsere Taufe. Mit der Taufe wird man Mitglied in der Kirche. Aber immer weniger Menschen werden getauft. Wir sind auch für die Menschen da, die keine Mitglieder von der Kirche sind. Wir überlegen, wie das noch besser geht.

Wenn Menschen Mitglieder von der Kirche werden, dann sagen sie anderen: Ich gehöre dazu, mir ist das wichtig. Ich möchte hier mitarbeiten. Das finden wir sehr gut. Und das möchten wir ihnen auch sagen. Vielleicht können wir deswegen Angebote machen, die nur für Mitglieder da sind.

Viele junge Menschen verdienen nicht so viel Geld. Und Kinder kosten auch Geld. Deswegen sollen sie weniger Kirchen-Steuern bezahlen. Oder selbst entscheiden können: Was in der Kirche bezahle ich mit meinem Geld?

Wir haben viele andere Ideen. Vielleicht gibt es einen Mitglieds-Ausweis. Dann bezahlt man weniger Geld, wenn man in ein Konzert in der Kirche geht. Wenn Menschen aus der Kirche austreten, dann wollen wir sie fragen: Warum tut ihr das?


Mitarbeitende

8. Viele Menschen arbeiten in der Kirche mit. Es ist wichtig, dass sie über ihren Glauben reden können. Manche machen das als Beruf („Hauptamtliche“), andere in ihrer Freizeit („Ehrenamtliche“). Es sollen keine Menschen mehr Arbeit machen, die nicht wichtig ist.

Die Mitarbeiter in der Kirche sind ganz wichtig. Es ist egal, ob sie hauptamtlich oder ehrenamtlich, arbeiten. Sie haben viele Ideen, sie schenken der Kirche ihre Zeit und ihre Kraft. Wir können nicht mehr so viele Mitarbeiter bezahlen. Deswegen werden Ehrenamtliche viel wichtiger. Sie bekommen kein Geld für ihre Arbeit. Wir haben in den letzten Jahren gelernt: Viele Menschen möchten in ihrer Freizeit nicht viele Jahre lang bei der Kirche mitarbeiten. Aber sie haben Lust, bei bestimmten Sachen mitzuhelfen. Es ist wichtig, dass sie Spaß daran haben. Viel Arbeit kann man von außen gar nicht sehen, aber sie ist ganz wichtig. Manche Mitarbeiter können wir nur für eine bestimmte Zeit bezahlen.

Mitarbeiter bei der Kirche und der Diakonie sollen über ihren Glauben reden. Sie können von sich sagen: Ich arbeite bei der Kirche, weil mir mein Glaube viel wert ist. In der Kirche verändert sich viel. Deswegen müssen Mitarbeiter eigen-verantwortlich arbeiten, das heißt: Sie entscheiden selbst, was sie tun und wie sie es tun. Manche haben neue Ideen. Wir möchten, dass sie die umsetzen können. Mitarbeitende müssen sich gegenseitig vertrauen können.

Alle Menschen können manche Dinge besonders gut. Dafür sollen sie Zeit und Geld kriegen. 10% von unserem Geld ist zum Ausprobieren da. Wer eine neue Idee hat, kann sie umsetzen. Wenn manches davon irgendwann wieder endet, ist das nicht schlimm.

Viele Dinge werden in Zukunft wichtiger als früher: Mitarbeiter sind für andere da. Wir loben uns gegenseitig. Menschen tun das, was sie besonders gut können. Bestimmte Dinge müssen alle gut können: Mit anderen zusammenarbeiten, neue Kontakte knüpfen, eigene Entscheidungen treffen. Sie müssen auch mit dem Internet gut umgehen können. Deswegen ist ganz wichtig: Die Kirche muss sehr gute Fortbildungs-Angebote machen.  

 

Leitung

9. Leitung heißt in Zukunft: Wir müssen darauf achten, dass wir mit vielen anderen zusammenarbeiten. Wir müssen erklären, was wir tun. Und warum wir es tun. Wir wollen anderen zeigen: Wir sind evangelisch. Früher haben in der Kirche oft die Vorgesetzten entschieden (z. B. Bischöfe, Pfarrer, Kirchen-Vorstände), was gemacht wird. Das muss anders werden.

Wir wollen Menschen von Jesus Christus erzählen. Er bringt uns zusammen. Wir sind verschieden. Deswegen müssen wir viel miteinander reden, damit wir uns verstehen. Wir müssen darüber reden, warum uns der Glaube wichtig ist. Manchmal müssen wir auch laut sagen: Das geht nicht, weil unser Glaube es uns verbietet. Wir müssen gut zusammenarbeiten.

Wir haben bald weniger Geld. Deswegen müssen wir uns besser abstimmen. Verschiedene Gemeinden, Kirchen-Kreise und Landes-Kirchen müssen besser zusammenarbeiten. Wir brauchen nicht so viele Mitarbeiter in der Verwaltung. Dann können wir uns auch schneller verändern. Früher hatten wir mehr Geld. Da haben wir sehr viel gemacht. Jetzt müssen wir überlegen: Was ist wichtig? Wenn wir nicht gut zusammen arbeiten, dann sind wir keine gute Kirche.

Im Moment denken viele Menschen nur an ihre eigene Gemeinde. Das ist nicht gut, weil wir so viel zu tun haben. Wir müssen auch an andere denken. An manchen Orten können Gemeinden sich zusammenschließen. Damit sparen sie Geld und können besser arbeiten. 

In der Kirche gibt es Gruppen, die entscheiden: Was machen wir? Was lassen wir sein? Was ist uns besonders wichtig? Sie müssen klar sagen, warum sie eine Sache entscheiden. Es ist falsch, wenn sie nur sagen: Das war schon immer so. Manche Sachen müssen auch anders gemacht werden als früher.  

 

Strukturen

10. Heute sitzen in der Kirche viele Menschen bei Treffen zusammen und reden viel. Das kostet Zeit und Geld. Es gibt viele Regeln. Die kennen nicht alle, deswegen arbeiten viele Menschen in der Verwaltung. Sie achten darauf, dass alle Regeln eingehalten werden. Auch das kostet viel Zeit und Geld. Wir möchten 15% einsparen. Mit dem eingesparten Geld können wir neue Ideen umsetzen.

Die Kirche ist eine „Institution“. Das heißt: Sie ist so etwas wie eine Behörde oder ein Amt. Das ist wichtig, weil Behörden viele Regeln haben. Man kann sich auf sie verlassen. Kirche ist auch eine Firma. Sie macht Werbung und bietet etwas an. Sie ist auch eine „Bewegung“, das heißt: Viele Menschen arbeiten in kleinen Gruppen mit. Dort tun sie das, was vor Ort nötig ist. Alle drei Sachen (Behörde, Firma, Bewegung) sind wichtig. 

Die Kirche wird weniger wie eine Behörde sein. Dann kann sie schneller entscheiden. Das ist wichtig, obwohl sie manchmal nicht weiß: Ist das jetzt richtig? Manche in der Kirche wollen das nicht. Sie dürfen nicht mehr so viel bestimmen. Auch die Kirchen-Gemeinden werden anders. Sie sehen nicht mehr alle gleich aus.

Die Kirche in West-Deutschland ist viel reicher als in Ost-Deutschland. Aber das wird sich bald ändern. Auch die Kirche in West-Deutschland wird ärmer. Wir können von den Kirchen in Ost-Deutschland lernen: Dort sind die Gemeinden kleiner. Aber sie sind genauso wertvoll. Und es ist leichter, Neues auszuprobieren. Manchmal macht die Kirche Sachen, die niemand braucht. Das soll aufhören. Und manchmal macht die Kirche Sachen, da sagen Leute: Das tut mir gut. Hier lerne ich etwas über Gott. Davon wollen wir mehr machen.

Das ist nicht einfach. Wir müssen schneller entscheiden. Deswegen müssen wir uns auch besser absprechen. Es muss klar sein: Wer entscheidet was? Aber es darf auch nicht alles nur schnell gehen. Manche Sachen brauchen Zeit. Das wissen viele Leute heute nicht mehr.

 

EKD/Landes-Kirchen

11. Wenn eine Landes-Kirche etwas machen will, dann bekommt sie dafür Geld von der EKD. Aber es sollen nicht alle dasselbe machen. Die Arbeit soll besser verteilt werden, und das Geld auch. 

Die Kirche hat zwei wichtige Aufgaben in der Zukunft: Wir müssen beweglich sein. Und wir müssen klar zeigen: Wir sind evangelisch. Die beiden Aufgaben müssen gut aufeinander abgestimmt werden. Wenn eine Landes-Kirche etwas gut kann, dann unterstützt die EKD das. Wenn eine Landes-Kirche etwas für andere macht, dann bekommt sie Geld dafür. Die EKD macht nur noch bestimmte Sachen, zum Bespiel: a. Wenn eine Sache für alle gleich wichtig ist. B. Wenn Menschen dadurch Mitglieder werden wollen. C. Wenn die Kirche allen Menschen in Deutschland etwas sagen will. Dafür muss die EKD gut auf die Landes-Kirchen hören.

Die Landes-Kirchen müssen sich gut absprechen. Nur dann weiß man: Wer kann etwas besonders gut? Die EKD veranstaltet Treffen dafür. Das Kirchen-Amt hilft ihnen dabei. 

2017 haben wir uns an Martin Luther erinnert. Er hat die Kirche neu gemacht. Damals gab es große Veranstaltungen für ganz Deutschland. Und kleinere für einzelne Städte. Das war eine gute Zusammenarbeit.

 

Nach-Wort

Die Kirche muss sich verändert, weil die Welt sich verändert. Wir müssen mutig sein. Aber wir müssen auch Ruhe bewahren. Wir dürfen uns keinen Stress machen.

 Drei Dinge sind uns besonders wichtig:

 In der Bibel steht: Wir sind „der Körper von Jesus Christus“. Wir gehören alle zusammen, und jeder hat eine besondere Aufgabe. Wir müssen uns deswegen gut absprechen.

 In der Bibel steht auch: Wir sind das „Volk Gottes“. Das heißt: Wir gehören zusammen. Manche Menschen sind keine Mitglieder. Auch sie dürfen dabeisein.

 In der Bibel steht auch: Wir sind „Salz und Licht“. Das heißt: Wir reden öffentlich. Wir möchten, dass Menschen uns zuhören. Deswegen dürfen wir nicht nur über uns selber reden.

 Durch den Corona-Virus haben wir weniger Geld. Deswegen müssen wir jetzt etwas tun. Wir fragen uns: Was brauchen wir? Was brauchen wir nicht mehr? Wir haben noch Geld gespart. Damit unterstützen wir Mitarbeiter und Gemeinden.

 Wenn wir Geld für alte Sachen haben wollen, müssen wir uns fragen: Wer braucht die? Manche alten Sachen können wir nicht behalten. Denn dann haben wir weniger Geld für neue Sachen.

 



Sonntag, 7. April 2019

Zur Causa Jana

EIN ÜBERFÄLLIGES PROJEKT - UND EIN ERWARTBARER SKANDAL


Seit ziemlich genau einem Jahr gibt es das Projekt "Jana glaubt", ein von EKD, GEP und aej erdachtes und von einer externen Medienfirma produziertes Video-Projekt, bei dem Jana Highholder, Medizinstudentin und Slam-Poetin, über ihren Glauben erzählt. Ein solches Projekt war längst überfällig, weil die verfassten Kirchen das Internet im Allgemeinen und youtube und Podcast-Plattformen im Besonderen gemeinhin den in dieser Hinsicht weitaus umtriebigeren Geschwistern von eher rechtsaußen überlassen. 

Die meisten Menschen, auch die meisten evangelischen Gemeindeglieder, werden davon wenig mitbekommen haben - bis vor einigen Wochen, als sie sich mit der Pfarrerin Hanna Jacobs ein kontroverses Streitgespräch über die Frage: "Müssen sich Frauen unterordnen?"  geliefert hat, noch dazu am Weltfrauentag. 

Schon der Titel der Folge scheint aus der Zeit gefallen. "Müssen sich Frauen unterordnen?" (gemeint ist natürlich: unter Männer) ist eine Frage, die seitens der evangelischen Kirche in aller entschiedenen Breite Gott sei Dank seit Jahren mit einem klaren "Nein!" beantwortet wird - auch, wenn Alltagsdiskriminierung in der Kirche kaum weniger selten sein dürfte als im Rest der Gesellschaft. Es ist aber auch eine Frage, wie sie in evangelikalen Kreisen in aller Regelmäßigkeit gestellt wird, ähnlich wie "Ist es eine Sünde, wenn ich mich in der Sauna nackt zeige?" oder "Darf ich als Christ in ein chinesisches Restaurant gehen, wenn da eine Buddha-Statue steht?" Also eine Frage, die für den allergrößten Teil der Menschen in Deutschland nicht nur keine Rolle spielt, sondern vollkommen abwegig erscheint. Nun ist dieses evangelikale Milieu die geistliche Heimat von Jana Highholder - Till-Reimer Stoldt hat in der WELT schon vor drei Monaten auf diesen potenziellen Interessenskonflikt hingewiesen: 

"Gleichwohl wirkte das Votum der EKD wie eins gegen den eigenen Klub [...]. Daher meidet [Jana] manches Thema, das Evangelikalen am Herzen, liberalen Protestanten aber bleischwer im Magen liegt – etwa die Frage, ob Christen vor der Ehe enthaltsam leben sollen (was Jana bejaht, in EKD-Kreisen aber eher verpönt ist). Einen Bogen schlägt sie auch um Themen wie die Unfehlbarkeit der Bibel (für Evangelikale unbestreitbar, für die EKD falsch) oder um die Frage, ob alle Menschen in den Himmel kommen (für Evangelikale fast ausgeschlossen, für die meisten Mitglieder der EKD sehr wahrscheinlich)."

Die EKD ist also ein kalkulierbares Risiko eingegangen. Seit einigen Wochen schlagen die Wochen hoch, Hanna Jacobs zum Beispiel hat im (an dieser Stelle wärmstens empfohlenen) WORTKOLLEKTIV-Podcast ihre Eindrücke vom Gespräch noch einmal geschildert und auch in einem Artikelkompendium von Christ und Welt neben anderen medialen Schwergewichten der kirchlichen Szene Stellung bezogen. 

Ich bin noch ein bisschen unentschieden, wie ich die ganze Sache finde. Auf der einen Seite ärgern mich Janas Aussagen: Ich finde sie theologisch falsch und gesellschaftlich verheerend, und ich bin ein großer Anhänger vom Bild der Kirche als safe space, also als einem Raum, an dem Menschen vor diskriminierenden Äußerungen sicher sein können (dankbar bin ich trotzdem dem Evangelischen Zentrum für Männer und Frauen, für das Ruth Heß unlängst in einem Facebook-Post um ein differenziertes Verständnis von Janas Aussagen geworben hat). Auf der anderen Seite frage ich mich manchmal, ob safe spaces in medialen Kontexten überhaupt realisierbar sind, und ob sie nich an manchen Stellen ein etwas hübscherer Ausdruck für "Wagenburgmentalität" oder zumindest "Echokammer" sind. Ich würde mir wünschen, dass die Frage nach der Stellung der Frau ausdiskutiert ist. Wie andere Fragen auch. Aber der öffentliche Diskurs der letzten Jahre legt doch nahe, dass das alles andere als erledigt ist, und dass gesellschaftliche und theologische Errungenschaften keinen Ewigkeitscharakter haben, sondern immer wieder neu erkämpft werden müssen. Und dass die theologische und milieumäßige Vielfalt, die die EKD unter ihrem Dach beheimatet, solche ständigen Diskurse braucht.

DAS PROBLEM LIEGT WOANDERS


Ich kann Erik Flügge gut verstehen, wenn er (im besagten ZEIT/C&W-Artikelkompendium) sagt:
"Ein Grundproblem der kirchlichen Kommunikation ist, dass sich Formate ständig vor dem persönlichen Geschmack und dem persönlichen Glauben anderer rechtfertigen müssen. Schnell wird alles, was persönlich nicht gefällt, theologisch angegriffen. "Zu flach", "zu konservativ", "zu liberal" oder "zu undifferenziert" sind all die Dinge, die man persönlich einfach nicht schauen will."
Ich kann ihn auch verstehen, weil ich mich selbst getroffen fühle - ich gehöre schließlich auch zu denen, die gern den status confessionis ausrufen, wenn es um Fragen von Gender und sexueller Vielfalt geht. Wenn man statt Jana Highholder irgendjemanden in den Ring geschickt hätte, der oder die mit salbungsvoller Stimme sorgfältig gewählte und von einem paritätisch besetzten Gremium redigierte Sätze in die Kamera sagt, hätte man es auch lassen können, das gibt es bereits zur Genüge. Nur sind solche Formate medial wenig marktgängig - und, Hand aufs Herz, auch meistens nicht wirklich interessant. Wenn Stoldt in der WELT den Eindruck hat, es "gäbe es unter 21,5 Millionen EKD-Mitgliedern keinen geeigneten Kandidaten", dann trifft er, glaube ich, den Kern des Problems. 

Ich habe mich oft gefragt, warum ich zur eigenen Erbauung meistens US-amerikanische oder manchmal englische Podcasts oder youtube-Predigten höre. Zum Einen liegt das sicher daran, dass es, wegen der zitierten Übermacht evangelikal-fundamentalistischer Angebote, kaum etwas Deutschsprachiges gibt, das ich irgendwie interessant finde, geschweige denn relevant. Woanders werde ich da fündig und freue mich auf Neues von Barbara Brown-Taylor, Walter Brueggemann, Nadia Bolz-Weber, Anna Carter Florence, Anne Lamott oder Heidi Neumark. Ich frage mich seit längerem, warum das so ist, was mich bei ihnen anspricht, das ich anderswo vermisse. Und ich glaube, es liegt an der Sprache. Meinem Eindruck nach fehlt im Deutschen ein bestimmtes Sprachregister komplett, nämlich eins, das es möglich macht, alltagsnah, unaufgeregt, berührend und bewegend über den Glauben zu sprechen, ohne in theologische Floskeln, akademische Sprache, Poesie oder Betulichkeit zu verfallen.

Der gemeinsame Nenner von den hier zitierten Kolleg*innen ist, dass sie eine äußerst konkrete Sprache sprechen. Da Sprache vom Denken nicht zu trennen ist, hängt das natürlich auch mit der Theologie zusammen: Der deutschsprachige Mainstream-Protestantismus hat "Glauben" weitestgehend mit "Weltanschauung" übersetzt und damit Kategorien wie "Beziehung" und "Erfahrung" ausgeklammert. Vielleicht ist das die Voraussetzung dafür, eine schweigende und nur mehr oder weniger interessierte Mehrheit der Mitglieder bei der Stange zu halten und nicht zu verschrecken. Damit aber fallen derzeit relevante Kommunikationsstrategien wie Storytelling quasi automatisch weg oder werden zumindest zu einer extrem schweren Aufgabe. Konkrete Sprache fällt im protestantischen Mainstream sehr schnell unter den Verdacht der Freikirchlerei - kein Wunder, dass dieses Milieu so gut wie keine Menschen hervorbringt, die willens oder in der Lage sind, öffentlich über ihren Glauben zu sprechen. Insofern löst das Format "Jana glaubt" keine Probleme, aber es schafft auch keine neuen - sondern lässt nur bereits bestehende Probleme deutlich hervortreten. Wenn im Fahrwasser der jetzt gerade aufgebrandeten Diskussion mehr Menschen an die Öffentlichkeit treten, vielleicht sogar ein bisschen Offenheit, Einseitigkeit und Angreifbarkeit wagen, ist das nicht der schlechteste Dienst, den Jana Highholder der EKD erwiesen hat.

 




Mittwoch, 28. Februar 2018

Wenn dein Kind dich morgen fragt...

Preacher-Slam-inspirierter Wortbeitrag zum Eröffnungsabend der ZEIT-Konferenz "Die Zukunft der Religion" am 23. Februar in der Hamburger Hauptkirche St. Petri


Mein heutiger Beitrag zur interreligiösen Verständigung 

Hamburg. Steindamm, St. Georg, heute Nachmittag gegen 16 Uhr. Auf der Straße stehen Christen einer bestimmten Couleur und wollen missionieren. Muslime aus einem ähnlichen Milieu und mit selbiger Absicht gesellen sich dazu. Als ich aus dem Dönerladen komme, kommen zwei auf mich zu und werden fast handgreiflich darüber, wer mich als erstes bekehren darf. Beide sehen meinen dringenden Bedarf bestätigt, als ich meinen Beruf verrate. Es reicht, Pfarrer im Rheinland zu sein und damit in einer Kirche zu dienen, die nicht nur die Frauenordination, sondern auch die Trauung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften praktiziert. Ich so: "Okay... wenn euer Glaube gegen predigende Frauen und Schwule und Lesben ist, bin ich definitiv raus - ich kann mir den Himmel ohne sie überhaupt nicht vorstellen." Nacn zehn Minuten verabschieden wir uns voneinander, die beiden sind sich in fast rührend brüderlicher Weise absolut einig, dass ich auf jeden Fall in die Hölle komme... #truestory

Wenn dein Kind dich morgen fragt...

Ich soll etwas zum Abendland erzählen. Das fällt mir schwer, denn in der Bibel findet man, anders, als viele das gerne hätten, nichts darüber. Aber ich stolpere über etwas anderes, über eine alte Kirchentagslosung: Wenn dein Kind dich morgen fragt... (Dtn 6,20).

Wenn dein Kind dich morgen fragt nach diesem legendären Land, das einst im Meer versank - willst du ihm dann von Atlantis erzählen? Oder von Holland?! Willst du erzählen, wie ihr an Feiertagen nach Venlo zum Einkaufen oder Frikandelessen gefahren seid, und wenn dein Kind dann fragt: "Was sind denn Feiertage?!" - willst du dann erklären: "Das waren Tage, an denen man nicht arbeiten musste". Und willst du, dass dein Kind dann entgeistert fragt, ob wir denn damals nicht wussten, was ein Bruttoinlandsprodukt ist?

Und wenn dein Kind dich morgen fragt: "Papa, können wir ans Meer fahren?", willst du dann sagen: "Aber ja, Dortmund ist ja nicht weit, und der Strand ist sehr schön. Oder der Harz! Da hat man Berge und Meer. Der Harz ist wie Korsika!" Aber Korsika kennt ja schon keiner mehr... 

Und wenn dein Kind dich morgen fragt, ob das eigentlich wirklich so ganz plötzlich gekommen ist, das mit dem Klimawandel, willst du dann sagen: "Eigentlich wollte ich demonstrieren gehen, aber es gab da keine Parkplätze"? Oder: "Das Biofleisch war so teuer, 10 EUR das Pfund Mett, da hat man zur Happy Hour eine Shisha und zwei Cocktails für bekommen!"?

Wenn dein Kind dich morgen fragt, woher eigentlich die kleinen Kinder kommen, willst du dann anfangen von Bienchen und Blümchen, und wenn dein Kind dich dann verständnislos anguckt und fragt: "Bienchen? Blümchen? Was ist denn das?", willst du dann sagen: "Es war einmal..." und von Glyphosat anfangen und dann müde abwinken und es weiter youporn gucken lassen?

Und wenn dein Kind dich morgen fragt: "Papa, warum habt ihr eigentlich diese oder jene Haar- und Augenfarbe und dieses oder jenes Geschlecht für mich ausgesucht?" - willst du dann sagen: "Das war halt gerade im Angebot?"

Und wenn dein Kind dich morgen fragt: "Papa, ich habe mein bilinguales Abitur in der Tasche und einen Studienplatz für International Business, aber keine Haare am Sack - ich bin dreizehn! Ist das der Sinn des Lebens?", willst du ihm dann erzählen von geheimnisvollen Schulfächern wie Kunst, Musik, Sport, Reli oder Deutsch, von Freistunden, die ihr im Oberstufenraum abgehangen habt, von endlosen durchdiskutierten oder einfach nur durchsoffenen Nächten in Studentenkneipen, von Auslandssemestern komplett ohne Scheine, dafür aber mit Freunden fürs Leben und der einen oder anderen dekorativen Narbe in Haut und Herz? Und bist du sicher, dass dein Kind auch nur ein Wort versteht von dem, was du ihm da erzählst? 

Und wenn dein Kind dich morgen fragt: "Papa, wer war eigentlich Dietrich Bonhoeffer?", willst du dann sagen: "Das war ein Widerstandskämpfer im Dritten Reich..."? Und wenn dein Kind dann mit großen Augen fragt: "Widerstand... aber wogegen denn?", willst du dann nochmal anfangen und sagen: "Das war ein Pfarrer." Und wenn dein Kind dann fragt: "Was waren denn Pfarrer?", willst du dann sagen: "Das waren Leute, die in Kirchen saßen und darauf warteten, dass Leute reinkommen"? Und wenn dein Kind dann fragt, was denn Kirchen sind - willst du dann sagen: "Unten am Marktplatz steht eine, da, wo der Applestore drin ist"?

Wenn dein Kind dich morgen fragt, warum man unser Land eigentlich das Land der "Richter und Henker" nennt, willst du dann anfangen und sagen, das hätte was mit den Kommentarspalten im Internet zu tun, oder mit Germany's Next Topmodel? Und dann innehalten, weil es doch eigentlich "Tischler und Banker" heißen müsste, oder, nein, es heißt: "Dichter und Denker" - und willst du, dass dein Kind dann sagt: "Ah... Mario Barth und so, ne?"

Und wenn Du den Herrn Jesus fragst, was er eigentlich mit diesem "christlichen Abendland" zu tun hat, kannst du dann hören, wie es im Himmel leise kichert? Weißt du dann noch, dass es heißt: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid", und nicht: "Bitte ERST die Leute aussteigen lassen!"? Und dass er gesagt hat: "Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird nimmermehr dürsten", und nicht: "Draußen nur Kännnchen!" oder "Das Wasser des Lebens gibt's nur noch von Nestlé"? Und dass es immer noch "Karwoche" heißt, niemals "Kehrwoche"?

Wer weiß das schon... Aber wenn du ihn fragst - eins wirst du vielleicht hören: 

Wenn dein Kind dich morgen fragt - was willst du ihm erzählen? Das entscheidest du. Heute.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Die Letzte macht das Internet aus.

Irgendwann im Vikariat schlug ich einmal vor, eine Gemeindeveranstaltung bei Facebook zu bewerben. Und alle um mich herum rangen die Hände, schüttelten die Köpfe, und irgendjemand sprach ein Machtwort: "Nein, da kommen nachher tausend Menschen!" Es war die Zeit, als durch die Printmedien Geschichten von privaten Geburtstagsfeiern gingen, die, über Facebook beworben, aus dem Ruder liefen. Abgesehen davon, dass sich hier beispielhaft eine tief verwurzelte Angst der Kerngemeinde vor zu vielen fremden Leuten zeigt, macht es deutlich, woher das in Resten noch vorhandene protestantische Kernmilieu, also der traditionellere Teil der Großelterngeneration der Digital Natives, soziale Medien kennt: Vom Hörensagen. 

Ganz anders Margot Käßmann: In einer jüngst erschienenen Zeitzeichen-Kolumne, in der es eigentlich um anderes geht, rantet sie in ihrer üblichen und eigentlich gar nicht so unsympathischen Manier los: "Heute erzählen Menschen alles über sich. Bei Facebook posten sie unablässig, wo sie sind, wen sie treffen, was sie denken, was sie essen." Abgesehen davon, dass unbedachte Pauschalisierungen ("heute" im Gegensatz zu einem glorifizierten "Früher", "Menschen", "alles", "unablässig") mit Vorsicht zu genießen sind, irritiert ihr Bekenntnis, woher sie dieses Wissen hat. In einem Artikel, in dem es um "geschützte Räume", Beichte und Seelsorge geht, gesteht sie freimütig: "Ganz zu Beginn habe ich unter falschem Namen einen Facebook-Account eröffnet". In einem Text, der sonst vor Vertrauens- und Aufrichtigkeitspathos nur so strotzt, befremdet ein derart problemunbewusstes Bekenntnis zur Lüge ungemein. Es wundert nicht, dass auf solchem Unterfangen, an dessen Anfang alternative Fakten geschaffen wurden, kein Segen liegen konnte: "Obwohl ich selbst nichts aktiv gepostet habe, erhielt ich alle möglichen 'Messages' und dazu ständig Freundschaftsangebote." 

"Ich habe diesen Spuk jetzt ganz und gar beendet", versichert sie. Es fällt nicht schwer, sich eine Predigt vorzustellen, in der sie abschließend deklamiert: "Nichts ist gut bei diesem Facebook", oder eine sozialmedial averse Zeitzeichen-Leserin, die bei der Lektüre erleichtert aufatmet, mit der flachen Hand auf den Wohnzimmertisch schlägt und verkündet: "Endlich! Die Margot Käßmann hat das Internet ausgemacht!" Ich habe gerade nachgeguckt, sie hat es nicht getan, sondern anscheinend nur ihr Fake-Profil gelöscht - richtig so, "die Wahrheit wird euch freimachen", hat Martin Luther schon gesagt. Oder sonstwer. "Inmitten des enormen Mitteilungsbedürfnisses ist für Vertraulichkeit offenbar kein Platz mehr", so lautet ihre abschließende Einschätzung. 

"Offenbar" ist das Stichwort. Als Adverb gebraucht, bedeutet es laut Duden "dem Anschein nach" - es bleibt also, allem investigativen Wallraffen zum Trotz, bloße Unterstellung. Und "offenbar" ist mit "Vertraulichkeit" (die, wieder laut Duden, ja auch ein "aufdringliches, nicht genügend distanziertes Verhalten" meinen kann) ohnehin nicht ganz ohne Probleme zu vereinbaren. Natürlich gibt es Vertraulichkeit auch bei Facebook, sogar, seit dringend notwendige und überfällige Verschlüsselungstechniken implementiert wurden, in einem einigermaßen geschützten Raum. Nur eröffnen sich eben solche Räume im Messenger, sie "offenbaren" sich nicht auf der Timeline - dort gehören sie in der Tat nicht hin. Von professionellen Seelsorger_innen kann man erwarten, dass sie hier vorbildlich posten und etwa auf solche ungewollten Durchbrüche des Privaten ins Öffentliche hinweisen. 

Ein Artikel, in dem es um Seelsorge geht und damit, nach einem pastoraltheologischen Lehrbuch von 1850, um das "mühsamste, aber auch das edelste und wichtigste", das Pfarrer_innen aufgetragen ist, hat solche wohlfeile und selbstgerechte Polemik nicht nötig. Das Gute, das auch in dieser Kolumne steht, geht unter im reaktionären Geraune über das böse Internet und die wilden, kulturlosen Eingeborenen, die dieses unheimliche Neuland bevölkern. Schade.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

O du fröhliche #jetzterstrecht


Die Welt tut nicht allzu weihnachtlich in diesen letzten Tagen der Adventszeit 2016. Aleppo mag man nach ein paar Minuten des Gruselns und einem pflichtschuldig geteilten #prayforaleppo Aleppo sein lassen, die Stadt ist weit genug weg, die Wenigsten sind dermaleinst höchstpersönlich durch die nunmehr zerstörten Straßen spaziert und dadurch wenigstens irgendwie persönlich betroffen. Vom Bürgerkrieg in Somalia, vom Treiben in der Ukraine, vom Drogenkrieg in Mexico und dergleichen gar nicht zu reden. Berlin ist anders. Berlin ist näher. Und Weihnachtsmärkte kennt man aus eigener Anschauung zur Genüge. 


In Pfarrerskreisen, wo im Moment im Akkord Weihnachtspredigten geschrieben werden, öffnet man ächzend die Word-Dokumente, die man für bereits fertig hielt, stellt Geschriebenes in Frage oder ändert wenigstens die Fürbitten und nimmt so das #prayforberlin wörtlich. Pastor_innen und Kirchenmusiker_innen fragen laut, ob man eigentlich in diesem Jahr "O du fröhliche" singen könne. Es ist ehrenwert, wenn man zulässt, dass die Weltlage bei der Predigtvorbereitung stört, es ist theologisch und christologisch wichtig, dass die alte und spätestens seit den 1960er Jahren alljährlich mal wieder gestellte Frage, ob man dem volkskirchlichen Wunsch nach Rührseligkeit und Tradition oder dem eigenen prophetischen Anspruch das letzte Wort lässt, wieder offen ist. 

Trotzdem verstehe ich nicht, warum man nicht "O du fröhliche" singen sollte - und ich ahne zuversichtlich, dass die Frage eher rhetorisch ist und/oder Ausdruck einer, wieder sehr ehrenwerten, momentanen Sprachlosigkeit angesichts des Leides in der Welt. 

Auch auf die Gefahr hin, zynisch zu klingen: In Berlin ist das garstige Leben mitten in unsere weihnachtliche Betulichkeit hineingefahren. Bei aller Tragik ist das nichts Außergewöhnliches - leider. Das erleben landauf, landab alle die Menschen bereits, die in dieser Woche noch an einem offenen Grab stehen. Die das erste Weihnachten "ohne" vor sich haben. Wenn man ihnen zumutet, "O du fröhliche" zu singen - warum nicht allen anderen auch? 

Ein weiteres: Das Lied stammt aus der Feder von Johannes Daniel Falk (1768-1826), es war ursprünglich als Dreifeiertagslied geschrieben, in dem jede Strophe ein großes christliches Fest besang. Falk war einer der Begründer der sog. Rettungshausbewegung, in der vornehmlich christlich-großbürgerliche Persönlichkeiten Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Not gründeten. Der Publizist Falk, selbst vierfach verwaister Vater, dessen Kinder an Typhus verstorben waren, gründete das Rettungshaus in Weimar, das zum Vorbild für das ungleich berühmtere Rauhe Haus in Hamburg wurde. "O du fröhliche" ist also, ob als Weihnachts- oder Dreifeiertagslied, keineswegs ein kitschiges Schreibtischprodukt frühromantischer Frommdichterei, sondern ist entstanden im Kontakt und in tatkräftiger Auseinandersetzung mit tödlicher sozialer Not.
Martin Rößler schreibt dazu:


"Bedenkt man dieses Milieu: keine behütende Gemeinde und keine kirchliche Liturgie, sondern eine zusammengewürfelte Gruppe, die erst durch die Tat der Liebe vereint wurde, und eine seelsorgerliche Gesprächsebene, die den harten Alltag bedrängend und bedrückend empfand - dann ist klar, dass nicht bloß die wohl situierten Kirchenlieder gepflegt werden konnten."
Besser als Andreas Wendt kann man ohnehin nicht ausdrücken, worum es an Weihnachten geht: 


Auch im Lied selbst steckt in verdichteter Kürze das Wissen um das Schlimme an der Welt: "Welt ging verloren / Christ ist geboren!"

Vielleicht ist Weihnachten 2016 eine Chance, weil sich die Hoffnung, die uns in die Wiege gelegt ist, zumindest vordergründig anders in vorigen Jahren bewähren muss - und bewähren wird. Wie so oft, so gehen andere unbefangener als wir damit um: Viele Zeitungen druckten gestern und heute ein großes "Fürchtet euch nicht!" auf ihre Titelseite, als Mahnung ("Reißt euch zusammen!") und als wohltuender und nötiger Kontrast zur riesigen, lähmenden "ANGST!!!"-Schlagzeile der BILD-Zeitung. Deutlicher kann der Unterschied zwischen Welt und Himmel, Teufel und Engel, Trug und Hoffnung kaum werden. 

Daher, liebe Kolleg_innen auf den Kanzeln und an den Orgeln, liebe Gottesdienstgemeinden, bitte, bitte: Singt es! Aus voller Kehle, mit allen Registern und Zimbelstern und lauter als alle Pegida-Demonstranten und BILD-Schlagzeilen zusammen!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/50/'The_Angel_Appearing_before_the_Shepherds'_by_Thomas_Buchanan_Read,_Dayton_Art_Institute.JPG/1280px-'The_Angel_Appearing_before_the_Shepherds'_by_Thomas_Buchanan_Read,_Dayton_Art_Institute.JPG

Engel und Hirten - Meditation zu Lk 2



...UND DIE HIRTEN FÜRCHTETEN SICH SEHR...


Hirten haben Angst.
Weniger vor dem, was sie kennen.
Weniger vor Wölfen und Löwen,
vor davonlaufenden Schafen,
vor Schafrotz, Räude und Moderhinke.
Weniger vor den abschätzigen Blicken
der Sesshaften und Bessergestellten.
Aber Angst vor dem, was sie nicht kennen.
Was anders ist.
Was die eigene Welt in neuem Licht erscheinen lässt,
das Versteckte beleuchtet
und Weltbilder verschwimmen lässt.


....UND DER ENGEL SPRACH: FÜRCHTET EUCH NICHT…


Fürchtet euch nicht.
Weil Angst der schlechteste aller Ratgeber ist:
Hirten werden zu Schafen.
Verlieren den Überblick.
Laufen wild durcheinander.
Rennen einander um.
Rotten sich zusammen,
lassen die schwarzen Schafe draußen,
und niemand zieht mehr alleine los
um das eine Verlorene zu suchen.
Fliehn vom Licht ins Dunkel
und fangen an, mit den Wölfen zu heulen,
die unter dem Schafspelz die Zähne fletschen.

FÜRCHTET EUCH NICHT. EUCH IST HEUTE DER HEILAND GEBOREN…

Habt keine Angst vor dem Neuen, dem Anderen.
Ihr braucht Es. Ihn.
Immer schon. Und immer wieder.
Um neu anzufangen.
Den Staub aus den Kleidern zu schütteln.
Zu sehen, dass es anders sein kann
und anders sein muss.
Denn das Alte soll vergehen
und Neues geboren werden
und heranwachsen
und Wasser in Wein verwandeln
und Blinde sehen
und Lahme tanzen lassen
und mit euch leiden
und für euch sterben
und auferstehen
und alle mitreißen.


UND ALS DIE ENGEL VON IHNEN GEN HIMMEL FUHREN, SPRACHEN DIE HIRTEN UNTEREINANDER: LASSET UNS GEHEN GEN BETHLEHEM UND DIE GESCHICHTE SEHEN, DIE DA GESCHEHEN IST


Geht hin. Seht und staunt,
wie Ihr überwältigt werdet vom Wunder des Lebens
und angerührt von dem Anderen.
Er wird einer von euch
und ihr sollt es machen wie Er: Mensch werden.
Nehmt ihn mit
in eure Städte
auf eure Felder
in eure Gespräche.
Und weidet seine Schafe.
Und sagt allen: Fürchtet euch nicht.