(Sagen die, die in der Kirche das Sagen haben!)
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Freitag, 29. Mai 2015
Samstag, 22. November 2014
Fernsehpfarrer: Fast ein bisschen Fernsehgeschichte
Man fällt förmlich von der Fernsehcouch vor lauter Aktualität in der neuen Folge der Herzensbrecher (hier zu sehen): Letzte Woche hat nun auch die westfälische Landessynode festgehalten, dass Winkelmessen vorreformatorischer Schnickschnack und "päbstische Grewel" und Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im Gottesdienst erlaubt sind. Und auch in der Heilandkirche geht es diese Woche kaum um etwas anderes, nebenbei wird fast ein bisschen Fernsehgeschichte geschrieben.
DIE DIENSTLICHE EBENE
Schon letzte Woche hatte sich Sohn Nummer II in privatim geoutet, nun auch vor der ganzen Familie. Und auch dienstlich bekommt der Fernsehpfarrer es mit dem Thema zu tun: Ein schwules Paar möchte sich kirchlich trauen lassen und wendet sich dafür an den jungen Nachwuchspastor Wenkstern. Der jedoch entpuppt sich als erzkonservativer Knochen und weigert sich. Die beiden Amtsbrüder streiten sich lauthals darüber und führen die üblichen Argumente beider Seiten ins Feld; sogar das EKD-Familienpapier und der es verantwortende Ratsvorsitzende finden Erwähnung, das Drehbuch zeigt hier fast schon ans Schlüsselromanhafte grenzende Qualitäten.
Dadurch, dass die beiden Talarträger sich vor der gesamten Belegschaft streiten, haben alle anderen auch Gelegenheit, ihre persönliche Meinung zum Thema abzusondern; das Spektrum dürfte so ziemlich alles abdecken, was auch in Gemeinden kursiert, besonders positiv fällt dabei wieder einmal die in letzter Zeit ohnehin aus dramaturgischen Gründen ganz stark menschelnde Presbyteriumsvorsitzende auf.
Wie realistisch das ist? Nun ja. Der theologische Nachwuchs steht im Moment gerade bei älteren Kolleg_innen unter einer Art Generalverdacht, engstirnig, rückwärtsgewandt, konservativ zu sein. Ich bezweifle das, zumal in der Postmodernen die Zugehörigkeit zu einem bestimmten konfessionellen Milieu nicht mehr automatisch an bestimmte theologisch-ethische Grundsätze geknüpft sind - eine Studentin sagte einmal: "Ich kann doch Lobpreislieder mögen und gleichzeitig für die Homo-Ehe sein!" Sicherlich gibt es Generationskonflikte (die allerdings selten ausgefochten werden, weil auf den Pfarrkonventen die Pfarrer_innen U40 in der absoluten Minderzahl sind, wenn sie denn überhaupt vorkommen), die auch mit Prägungen und Vorstellungen von Wesen und Auftrag der Kirche zu tun haben. Das hängt aber m. E. damit zusammen, dass heutige Studierende sich aus bestimmten Gründen sehr bewusst für ein Theologiestudium und für den Pfarrberuf entscheiden - heutzutage studiert niemand mehr Theologie, weil der NC für Sozialpädagogik zu hoch ist.
Von daher ventiliert die Serie an der Stelle durchaus Stereotypen, die in mancherlei Köpfen genauso existieren.
Aber damit ist der dienstliche Teil der Affäre noch nicht beendet: Nachdem Pfarrer Tabarius die Kasualie übernommen hat, kommt es zum Konflikt mit besagtem Paar, als er ihnen eröffnet, dass er sie mitnichten "trauen", sondern nur "segnen" könne. Das entspricht geltendem Kirchenrecht im Rheinland (nur handeln die Artikel 16 und 17, die Tabarius in dem Zusammenhang nennt, von den Aufgaben des Presbyteriums) - und es ist auch in der Hinsicht realistisch, dass der Unterschied zwischen Trauung und Segnung Außenstehenden (und denkenden Menschen im Allgemeinen) nur schwer zu vermitteln ist. Einer der beiden Trauwilligen macht daraufhin einen Rückzieher, im entsprechenden Gespräch finden auch durchaus aktuelle Toleranzdiskurse ihren Niederschlag (btw.: Das Wort wurde nachweislich zum ersten Mal von Martin Luther im Deutschen verwendet und war bei ihm, wie es sich auch noch bei Goethe andeutet, explizit negativ besetzt). Pfarrer Tabarius kann sie natürlich doch überreden, weist auf den demonstrativen Charakter einer öffentlichen gottesdienstlichen Handlung hin, und so wird wenig später in der Bonner Heilandkirche aus vollem Männerherzen (und mit farblich falscher Stola) gesegnet.
Wie realistisch das ist, darüber ließe sich streiten, denn: Es dürfte nicht selten vorkommen, dass Pfarrer_innen (in Absprache mit dem Presbyterium und mit guten theologischen Argumenten) über die noch bestehenden Regelungen hinweggehen und regelrechte "Traugottesdienste" auch mit schwullesbischen Paaren feiern. In der Praxis führt das nur zu dem Problem, dass die bestehenden Regelungen, die in allem "Interimslösung" atmen, nicht angetastet werden, weil niemand die Notwendigkeit sieht. Das ZDF jedenfalls schreibt damit fast Fernsehgeschichte, denn es zeigt m. W. die zweite gottesdienstliche Begleitung eines schwulen Paares im deutschen Fernsehen - die ersten waren 2010 die Kollegen von der ARD, als Dirk Bach die (nicht mehr) Verbotene Liebe von "Chrolli" öffentlich segnete (hier gibt es sogar eine Radioandacht dazu). Und ich finde es durchaus festhaltenswert (auch im Blick auf die legendäre Lindenstraßenfolge von 1990), dass ethisch motivierte und notwendige Tabubrüche auch heute noch vor allem bei den Öffentlich-Rechtlichen stattfinden, während die Privaten sich oft auf das Durchbrechen von Geschmacksgrenzen beschränken.
Nun hat aber das Thema Homosexualität nicht nur eine dienstliche Dimension; wie bereits gesagt, beschäftigt die Familie Tabarius das Coming-Out des Zweitältesten.
DIE PRIVATE EBENE
In der Familie geht es hoch her: "Tom" outet sich mit einigem Getöse beim brüderlichen Fernsehabend, und jeder geht so nach seiner Facon damit um: Tabarius demonstriert Akzeptanz und Vaterliebe, neigt aber ein bisschen zu großen Gesten, was dem Sohn negativ aufstößt. Auch der älteste Sohn zeigt uneingeschränkte Solidarität bei gleichzeitigem Rückfall in pathologisches Vokabular. Der Zweitjüngste findet's schlimm und ekelig, was er bei Tisch in Knittelversen unmissverständlich kundtut, wird aber gegen Ende der Folge zur Räson gerufen. Der Jüngste betet bei Tisch: "Mach, dass Tom doch nicht schwul ist, damit er nicht so viele Probleme bekommt..." - eine nette gebetstheologische Reminiszenz an die alte von Praunheim'sche Erkenntnis: Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (besagter Film wurde 1970 übrigens im Auftrag des WDR gedreht).
Die Serie wagt dabei ein offenes Ende: Während sich Pfarrhaus, Kirche und gottesdienstliche Gemeinde als Schutzräume erweisen, erfährt "Tom" bei der Rückkehr in die Schule unverhohlene Diskriminierung. Das ist selten für das Vorabendfernsehen und bei allen Cliffhangerfunktionen zu würdigen.
A propos Cliffhanger: Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Der Zweitälteste muss sich mindestens mit seinem besten Freund noch versöhnen (man munkelt, dass die Frauenhilfen in den Gemeinden bereits um Kuchen wetten, ob sie sich nicht vielleicht doch am Ende kriegen). Und in der Gemeinde hängt nach dem dramatischen Streit der Pfarrer und dem energischen Auftritt der Sekretärin der Haussegen mehr als schief.
Sie ist es auch, die, vom pastoralen Konsensfähigkeitsdiktat ihres Vorgesetzten befreit, deutlich macht: Nach zwanzig Jahren der Diskussion auf allen kirchlichen Ebenen ist die Frage nach dem Umgang mit Homosexualität in erster Linie keine Frage der Theologie mehr. Sondern des Charakters.
Übrigens: Im Nachgang der Folge unternehmen die Herzensbrecher wieder einmal den Durchbruch durch die vierte Wand: Kurz nach Ausstrahlung der Folge meldet sich auf der FB-Page der Serie Wenkstern-Darsteller Lee Rychter per Video zu Wort und lädt zur Debatte ein: "Mich würde sehr interessieren, wie ihr das seht, inwieweit man dazu heutzutage überhaupt noch die Bibel zitieren kann und sich darauf berufen kann, inwiefern das alles überhaupt noch so funktioniert und ob das alles nicht längst schon überholt ist. Und inwiefern das überhaupt mit der Institution Kirche zu vereinbaren ist. Deswegen könnt Ihr hier fleißig kommentieren, liken, sharen, bzw. teilen... Sharing is Caring, "Geben ist seliger denn Nehmen", hab' ich gelernt, Apostelgeschichte 20,35."
Montag, 7. Juli 2014
Gegen das Beklatschen des Toleranzpreises für die Hessen-Nassauische Kirche
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| Ausschnitt aus: Wilhelm Linnig d.J., Luther predigt auf der Kanzel (um 1880), (c) kunstkopie.de / kirchengeschichten.blogspot.de (Montage) |
Manchmal ist es soweit: Da packt einen der heilige Zorn, und während alle anderen klatschen, möchte man selbst aufspringen und mit prophetenhaft bebender Stimme zur Buße rufen.
So wie ich jetzt gerade. Am Wochenende war wieder Karneval in Köln, weil Sommer ist, nannte man das aber nicht so, sondern sprach vom Christopher-Street-Day. Am Rande dieses mehrtägigen Großevents fand im Gürzenich die Verleihung der "Kompassnadel" statt, eines undotierten Preises, mit dem das Schwule Netzwerk und die AIDS-Hilfe NRW besondere Verdienste um Toleranz auszeichnen. Preisträger in diesem Jahr war der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, dessen Kirche im vergangenen Jahr als erste evangelische Landeskirche die gottesdienstliche Segnung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften quasi mit der kirchlichen Trauung gleichgestellt hat. Evangelisch.de jubelt heute: "Beim Verleih der 'Kompassnadel' treffen sich Kirche und CSD - mit Applaus".
Soso. Die EKHN behandelt "Ehe" und "gleichgeschlechtliche Partnerschaften" gleich, die Aktivistenverbände honorieren das mit einem Preis, ein Innenstadtkollege hält die Laudatio, und alles klatscht und freut sich, auch und gerade das evangelische Köln. Und ich fasse mich an den Kopf und denke: Das kann doch nicht wahr sein!
Wer diesen Blog kennt und bis hierhin gelesen hat, wundert sich jetzt vielleicht. Und ich disclaime direkt: Keine Sorge, ich habe nicht die Seiten gewechselt und gröhle jetzt gemeinsam mit Christl Vornholt, Hartmut Steeb und allen anderen.
Trotzdem ist für mich die Preisverleihung an den EKHN-Kirchenpräsidenten neben aller Freude auch ein Anlass zum Ärger. Und, ja, vielleicht bin ich da ein bisschen wie der Kölner Karnevalsfunktionär, der sich grämt, weil (ausgerechnet!) "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" mehr Einschaltquoten erntet als die Prunksitzung des Festkomitees.
Aber: Der Preis für die hessisch-nassauische Kirche ist auch eine Erinnerung daran, dass wir im Rheinland unsere Hausaufgaben (noch) nicht gemacht haben! Das bislang letzte Wort in dieser Sache ist der Beschluss Nr. 42 der Landessynode 2000, dort heißt es unter anderem:
"Gleichgeschlechtliche Paare in verbindlichen Lebensgemeinschaften werden wie alle Gemeindeglieder seelsorglich begleitet. Es kann für diese Paare auch eine gottesdienstliche Begleitung geben. Dabei handelt es sich nicht um eine Amtshandlung. [...] Die gottesdienstliche Begleitung ist in der liturgischen Gestaltung von der Trauung deutlich zu unterscheiden."
Es kann durchaus sein, dass die EKiR damit im Jahr 2000 vorbildlich agiert hat, I wouldn't know, ich war damals noch in der Schule, und natürlich kann man immer mit der Arroganz der Spätgeborenen nöhlen, die Altvorderen seien nicht konsequent genug gewesen. Aber: Seitdem sind 14 (in Worten: vierzehn!) Jahre vergangen, Zeit genug auch für pietistische oder reaktionäre Regionen und Gruppen, von denen es im Rheinland recht wenige gibt, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Gottes Pläne mit den Menschen nicht immer mit unseren spießbürgerlichen Lebensentwürfen konform gehen. Langsam ist es doch an der Zeit, endlich unsere theologischen Grundlagen konsequent weiterzudenken. Damit meine ich nicht, dass Kirche um jeden Preis "liberaler" oder "toleranter" werden muss, sondern: Es gibt keine kirchliche Trauung! "Die Ehe ist ein weltlich Ding", hat bekanntlich schon Luther gewusst, und aus diesem Grund werden in evangelischen Gottesdiensten keine Ehen geschlossen, sondern bestehende Ehen gesegnet, für sie gedankt und gebetet. Es gibt keinen theologisch zu verteidigenden Grund für die seltsame und gänzlich untheologische, da nur politisch motivierte Einschränkung: "Die gottesdienstliche Begleitung ist in der liturgischen Gestaltung von der Trauung deutlich zu unterscheiden." Auch, wenn es natürlich eine gewisse behördenkirchliche Tradition hat, schwierige theologische Fragen hinter Verwaltungsentscheidungen zu verstecken.
Die Entscheidung der EKHN macht dieses Versäumnis auf schmerzhafte und peinliche Art deutlich, und wer bei der Preisverleihung für Volker Jung geklatscht hat, sollte das Seine tun, dass dem abgeholfen wird. Das geht ganz schnell: Brief ans Presbyterium, die nächste Kreissynode möge an die nächste Landessynode den Antrag stellen, hier endlich Klarheit zu schaffen. Sogar in Westfalen (!) hat das schon ein Kirchenkreis geschafft.
In diesem Sinne - an die EKHN herzliche Glück- und Segenswünsche. Und an alle anderen: Ite, missa est!
Aber: Der Preis für die hessisch-nassauische Kirche ist auch eine Erinnerung daran, dass wir im Rheinland unsere Hausaufgaben (noch) nicht gemacht haben! Das bislang letzte Wort in dieser Sache ist der Beschluss Nr. 42 der Landessynode 2000, dort heißt es unter anderem:
"Gleichgeschlechtliche Paare in verbindlichen Lebensgemeinschaften werden wie alle Gemeindeglieder seelsorglich begleitet. Es kann für diese Paare auch eine gottesdienstliche Begleitung geben. Dabei handelt es sich nicht um eine Amtshandlung. [...] Die gottesdienstliche Begleitung ist in der liturgischen Gestaltung von der Trauung deutlich zu unterscheiden."
Es kann durchaus sein, dass die EKiR damit im Jahr 2000 vorbildlich agiert hat, I wouldn't know, ich war damals noch in der Schule, und natürlich kann man immer mit der Arroganz der Spätgeborenen nöhlen, die Altvorderen seien nicht konsequent genug gewesen. Aber: Seitdem sind 14 (in Worten: vierzehn!) Jahre vergangen, Zeit genug auch für pietistische oder reaktionäre Regionen und Gruppen, von denen es im Rheinland recht wenige gibt, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Gottes Pläne mit den Menschen nicht immer mit unseren spießbürgerlichen Lebensentwürfen konform gehen. Langsam ist es doch an der Zeit, endlich unsere theologischen Grundlagen konsequent weiterzudenken. Damit meine ich nicht, dass Kirche um jeden Preis "liberaler" oder "toleranter" werden muss, sondern: Es gibt keine kirchliche Trauung! "Die Ehe ist ein weltlich Ding", hat bekanntlich schon Luther gewusst, und aus diesem Grund werden in evangelischen Gottesdiensten keine Ehen geschlossen, sondern bestehende Ehen gesegnet, für sie gedankt und gebetet. Es gibt keinen theologisch zu verteidigenden Grund für die seltsame und gänzlich untheologische, da nur politisch motivierte Einschränkung: "Die gottesdienstliche Begleitung ist in der liturgischen Gestaltung von der Trauung deutlich zu unterscheiden." Auch, wenn es natürlich eine gewisse behördenkirchliche Tradition hat, schwierige theologische Fragen hinter Verwaltungsentscheidungen zu verstecken.
Die Entscheidung der EKHN macht dieses Versäumnis auf schmerzhafte und peinliche Art deutlich, und wer bei der Preisverleihung für Volker Jung geklatscht hat, sollte das Seine tun, dass dem abgeholfen wird. Das geht ganz schnell: Brief ans Presbyterium, die nächste Kreissynode möge an die nächste Landessynode den Antrag stellen, hier endlich Klarheit zu schaffen. Sogar in Westfalen (!) hat das schon ein Kirchenkreis geschafft.
In diesem Sinne - an die EKHN herzliche Glück- und Segenswünsche. Und an alle anderen: Ite, missa est!
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Donnerstag, 15. August 2013
Was passiert eigentlich beim Traugespräch?
Es gibt Dinge, die tut man nicht allzu oft im Leben. Heiraten gehört dazu. Und das Gespräch mit einem Pfarrer oder einer Pfarrerin auch. Es sei denn, Sie sind Nachbarn, verwandt oder arbeiten in Ihrer örtlichen Kirchengemeinde mit - aber dann werden Sie kaum zu den Bald-Verheirateten gehören, von denen es im Internet nur so wimmelt, die, neugierig, aber oft auch in fast besorgtem Ton, in einschlägigen Foren nach Erfahrungen und Ratschlägen fragen. Immerhin - die Tendenz der Antworten scheint zu sein: "Es ist gar nicht so schlimm."
Wer an Wissens- und Lesenswertem aus verlässlicher Quelle interessiert ist, findet solches auf der Website der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Wer an Wissens- und Lesenswertem aus verlässlicher Quelle interessiert ist, findet solches auf der Website der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
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| www.bayern-evangelisch.de |
Extratoll für Spielkinder wie mich: Das interaktive Playmobil-Schaubild. Herumklicken lohnt sich!
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| www.bayern-evangelisch.de |
Freitag, 9. August 2013
Tipps, wenn Sie eine richtig schlechte Trauung haben wollen
10.
| (c) Heike / pixelio.de |
9.
Lassen Sie sich nicht irgendeine_n Pfarrer_in aufs Auge drücken - hier gibt es deutliche Unterschiede! Informieren Sie sich im Internet, rufen Sie geeignete Kandidaten an und lassen Sie sich Probepredigten schicken. Wenn ein oder zwei in die engere Auswahl gekommen sind, erkundigen Sie sich, wann er oder sie das nächste Mal einen Gottesdienst hält, in dem man ihn oder sie begutachten kann. Bitten Sie ruhig um eine Einschätzung, wann im Gottesdienstverlauf die Predigt dran ist - man muss sich ja nicht den ganzen Sonntagmorgen kaputt machen lassen. Ihr Wunschkandidat muss nicht zwingend aus der Gegend kommen, in der die von Ihnen bevorzugte Kirche liegt - Pfarrerinnen und Pfarrer fahren an einem Samstag im Frühsommer gern ein paar Stunden durch die Gegend, und mit dem, was Sie an Kirchensteuer in den Laden pumpen, sind die Benzinkosten mehr als abgegolten!
8.
Wenn Sie sich für einen Liturgen/eine Liturgin entschieden haben, lassen Sie sich nichts erzählen und bleiben Sie kritisch. Geistliche haben oft erschreckend wenig Ahnung vom Ablauf eines Traugottesdienstes; vertrauen Sie daher lieber auf die Angaben in diversen Internet-Hochzeitsforen.
7.
Delegieren Sie, wo Sie können, und vernetzen Sie Kompetenzen. Fragen Sie, ob das Traugespräch nicht mit dem Weddingplanner geführt werden kann - der hat ein gutes Auge für das Gesamtkonzept Ihres ganz besonderen Tages, das er dem zuständigen Pfarrer vermitteln kann, und Sie haben mit dem ganzen anderen Rest weiß Gott genug um die Ohren.
6.
Wenn Sie selbst das Traugespräch führen, sollten Sie möglichst konkrete Vorstellungen von Ihrem gewünschten Ablauf haben (s. Punkt 8), darum geht es bei einem solchen Planungstreffen. Falls das Gespräch in Ihrer Traukirche stattfinden kann, lässt sich damit vielleicht gleich eine Stellprobe verbinden. Dann können auch andere am Gottesdienst Beteiligte dabei sein, z.B. ein Fotograf, der gleich die Lichtverhältnisse prüfen kann (s.u., Punkt 3). Geben Sie die Kontaktdaten des Pfarrers/der Pfarrerin an alle weiter, die irgendwie am Gottesdienst beteiligt sein könnten. Ihre zuständigen Geistlichen sind über ein bisschen Abwechslung in der Regel dankbar und sprechen gern über Blumenschmuck und dergleichen. Bitten Sie auch um einen Vorabdruck der Traupredigt, damit Sie von eventuellen Überraschungen verschont bleiben und alles nach Ihren Vorstellungen verläuft.
6.
Wenn Sie selbst das Traugespräch führen, sollten Sie möglichst konkrete Vorstellungen von Ihrem gewünschten Ablauf haben (s. Punkt 8), darum geht es bei einem solchen Planungstreffen. Falls das Gespräch in Ihrer Traukirche stattfinden kann, lässt sich damit vielleicht gleich eine Stellprobe verbinden. Dann können auch andere am Gottesdienst Beteiligte dabei sein, z.B. ein Fotograf, der gleich die Lichtverhältnisse prüfen kann (s.u., Punkt 3). Geben Sie die Kontaktdaten des Pfarrers/der Pfarrerin an alle weiter, die irgendwie am Gottesdienst beteiligt sein könnten. Ihre zuständigen Geistlichen sind über ein bisschen Abwechslung in der Regel dankbar und sprechen gern über Blumenschmuck und dergleichen. Bitten Sie auch um einen Vorabdruck der Traupredigt, damit Sie von eventuellen Überraschungen verschont bleiben und alles nach Ihren Vorstellungen verläuft.
Sprechen Sie den Blumenschmuck auch mit der Küsterin ab. Gerade alte Kirchen sind so kalt, dass sich Blumen dort mehrere Tage halten. Versuchen Sie, die Kirche schon ab Donnerstag zu blocken - immerhin wird dank Ihres Traugottesdienstes der Laden endlich mal voll. Dann können Sie die Blumen ganz entspannt bereits vorher anliefern lassen; der Kirchenchor kann auch mal woanders proben. Klären Sie ab, ob eventueller Altarschmuck auch nach Ihrer Hochzeit in der Kirche bleiben kann - die Gemeinde wird sich über diese Dekoration freuen, und Sie können die Kosten dafür guten Gewissens mit der Kollekte verrechnen.
4.
Beginnen Sie rechtzeitig mit der
musikalischen Planung in Zusammenarbeit mit dem/der zuständigen
Kirchenmusiker/in. Leider haben diese oft einen etwas beschränkten
musikalischen Horizont und sind sehr auf die altmodisch-kirchlichen
Sachen festgelegt. Machen Sie Vorschläge zum Orgelvor- und nachspiel,
schicken Sie dem Organisten ein paar youtube-Links, dann weiß er ganz
genau, was gemeint ist und braucht auch keine Noten. Wenn Sie keine
Orgelmusik mögen, schlagen Sie Einspielungen von CD vor - eine
Lautsprecheranlage haben die meisten Kirchen, meist tut es auch ein
leistungsstarker Verstärker, und vielleicht können Sie damit den Preis
ein bisschen drücken - immerhin hat der Organist dann weniger Arbeit. Wenn Sie eine Schwester haben, die schon im Schulchor ein Solo gesungen hat - umso schöner! Der Kirchenmusiker wird nichts gegen ein paar zusätzliche Probentermine einzuwenden haben, zumal die Zusammenarbeit mit Nicht-Profis oft einfacher und entspannter ist als mit professionellen Musikern.
3.
Buchen Sie eine professionelle Fotografin, gerne mit Hochzeitserfahrung. Sie kann mit dem zuständigen Pfarrer absprechen, an welcher Stelle im Altarraum die Lichtverhältnisse am Besten sind und wo er während der Trauung stehen soll. Unterschätzen Sie dabei aber nicht den Charme spontaner Schnappschüsse - ermutigen Sie Ihre Gäste, Ihre Smartphones mitzunehmen und eigene Fotos zu machen.
2.
Kleinliche Streitigkeiten zwischen den Konfessionen gehören in das unaufgeklärte Dunkel früherer Jahrhunderte. Und der Ökumene ist jede Kirche verpflichtet. Erinnern Sie Ihre Pfarrerin ruhig daran, wenn diese Ihnen das Ave Maria ausreden und irgendwelche Ideologien aufdrücken will. Falls Ihnen etwa Bibelverse so gar nicht zusagen, lässt sich sicherlich auch ein Trauspruch aus dem Kleinen Prinzen verwenden. Sollte sich Ihre Pfarrerin als zu engstirnig erweisen, drohen Sie mit Kirchenaustritt. Das zieht meistens.
2.
Kleinliche Streitigkeiten zwischen den Konfessionen gehören in das unaufgeklärte Dunkel früherer Jahrhunderte. Und der Ökumene ist jede Kirche verpflichtet. Erinnern Sie Ihre Pfarrerin ruhig daran, wenn diese Ihnen das Ave Maria ausreden und irgendwelche Ideologien aufdrücken will. Falls Ihnen etwa Bibelverse so gar nicht zusagen, lässt sich sicherlich auch ein Trauspruch aus dem Kleinen Prinzen verwenden. Sollte sich Ihre Pfarrerin als zu engstirnig erweisen, drohen Sie mit Kirchenaustritt. Das zieht meistens.
1.
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Donnerstag, 11. Juli 2013
Zur Kritik an der Kritik der Kritik... oder so
Ich persönlich bin ja kein Freund von Denkschriften und anderem derartigen Papierkram. Weder habe ich das Gefühl, mir von Expertenkommissionen sagen lassen zu müssen, was man als evangelischer Christ glauben sollte, noch kann ich der EKD die lehramtliche Autorität zugestehen, die ihr zumindest in den medialen Diskussionen immer wieder zugesprochen wird. Das sei vorausgeschickt, wenn es jetzt um die viel gescholtene Orientierungshilfe (!) zum Thema Familie ("Zwischen Autonomie und Verlässlichkeit") geht. Genauer gesagt soll es in diesem Beitrag gar nicht so sehr um die Orientierungshilfe selbst als vielmehr um einige der -gelinde gesagt- heftigen Reaktionen darauf gehen. Denn die sagen in den meisten Fällen mehr über die Kritiker als über das Familienpapier aus, bzw. über das der Kritik zu Grunde liegende Verständnis von Kirche und Theologie.
Der Evangelist.
Ulrich Parzany etwa, den selten Sorgen um die eigene Meinung plagen, schämt sich gar für seine evangelische Kirche. Zumindest sagt das IDEA Spektrum (für Nicht-Eingeweihte: die BILD-Zeitung der frommen Subkultur):
Parzany erinnert daran, dass die evangelische Kirche entstanden sei, weil die Reformatoren sich auf das vierfache „Allein“ beriefen: allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift. Nun bescheinigten der Kirche sogar die säkularen Medien einen laxen Umgang mit der Bibel.
![]() |
| Quelle: idea.de |
Das reformatorische Stichwort sola scriptura ("allein die Schrift") muss also wieder für so einiges herhalten, und wie so viele vor ihnen verwechseln Parzany selbst und die von ihm zitierten "säkularen Medien" dies mit einem platten Biblizismus. Das ist ein hermeneutischer Fehlschluss, zudem trifft die pauschale Kritik, die EKD kümmere sich nicht um die Bibel, auf die Familien-Orientierungshilfe gerade nicht zu: Das Kapitel "Theologische Orientierung" nimmt sich zwar in der Tat auf das Ganze des Papiers gesehen ziemlich gering aus, weil man, wieder einmal, sehr damit beschäftigt ist, anderen staatspolitischen Akteuren zu sagen, was sie tun sollen - das hat u.a. auch Ulrich Eibach besonders hervorgehoben. Aber es ist eine Stärke ebendieser theologischen Orientierung in all ihrer Kürze, dass sie das breite biblische Zeugnis für unterschiedliche Lebensformen ernst nimmt und aufdeckt, dass das von vielen Kritikern propagierte Eheideal mitnichten irgendwann zu biblischen Zeiten vom Himmel gefallen ist, sondern in weiten Teilen aus dem Bürgertum des 19. Jahrhunderts stammt.
Der konservative Kolumnist.
Daran möchte man auch Jan Fleischhauer erinnern, dessen Kolumne bei S.P.O.N. Parzany womöglich vorschwebt, wenn dieser von säkularen Medien spricht: Fleischhauer konzentriert sich bei seiner Kritik an der "Orientierungshilfe" (ach ja, Anführungszeichen können ja doch verräterisch sein) vor allem auf das Versprechen beim Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung:
Das wichtigste Ergebnis vorneweg: Wer demnächst vor den Traualtar tritt, kann unbekümmert das Eheversprechen ablegen - auch wenn der Pastor sagt, es gelte, "bis dass der Tod euch scheidet". Keine Sorge, das ist nicht länger wirklich ernst gemeint.
Auch die EKD denkt die Ehe nun von ihrem Ende her, also der Trennung. Deshalb empfiehlt sie allen, die sich binden wollen, genau zu bedenken, wie es danach weitergeht und sich beizeiten über den Stand des Scheidungsrechts zu informieren.
Allein die kurze Skizze der Szenerie deutet an, dass Fleischhauer bestimmte Dinge nicht
verstanden hat. Einen "Traualtar" gibt es in evangelischen Kirchen nicht, weil es - streng genommen - keine "richtigen" Altäre gibt, und weil in evangelischen Gottesdiensten keine Ehen geschlossen, sondern bereits bestehende Ehen gesegnet werden. Das ist ein gewaltiger Unterschied, den man allerdings nicht der EKD, sondern Luther anlasten muss - die Einsicht, dass Ehen nicht im Himmel geschlossen werden, ist so alt wie die evangelische Kirche selbst. Bei aller Sympathie für Verlässlichkeit und Exklusivität von Paarbeziehungen: Die ätzende Unterstellung, es würde hier um leichtfertige Floskeln gehen ("nicht länger wirklich ernst gemeint"), geht an der seelsorglichen Realität vorbei.
![]() |
| www.spon.de |
Das Zugeständnis, dass auch die Ehen evangelischer Christinnen und Christen in die Brüche gehen können, ist ebenfalls kein Geistesblitz der Expertenkommission gewesen und somit auch kein "neuer Höhepunkt" der "Selbstsäkularisierung der Protestanten" oder ein Erguss "heiliger Teestubeneinfalt" (schade übrigens, dass konservative Kreise anscheinend nie ganz ohne Käßmann-Bashing auskommen). Die Ehescheidung war schon in den Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts eine durchaus realistische Option, als man erkannte, dass Gelingen oder Scheitern ehelichen Lebens nicht allein in den Händen der Beteiligten liegt. So heißt es etwa in der Pommerschen Kirchenordnung von 1535, die gleichzeitig dem Scheidungsrichter die Chance gibt, seine Hände in Unschuld zu waschen:
"wenn överst einer sick weder godt scheidet dorch unvorhapentlick wederkamendt eder unvorsoenlicken ehebröcke, so schide wi se nicht, sünder de düvel hefft se gescheidet."
- zitiert nach Gerold Tietz, Verlobung, Trauung und Hochzeit
in den evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, Univ.-Diss. Tübingen 1969, 24.
Neben dem Ehebruch akzeptierten die Reformatoren auch die "bösliche Verlassung" und die Zerrüttung der Ehe als Scheidungsgründe. Natürlich kann und muss man sich fragen, ob man die sozialdisziplinierenden Ordnungen des 16. Jahrhunderts als Grundlage heutiger ethischer Entscheidungen heranziehen will - immerhin sehen die meisten dieser Ordnungen für diejenigen, die nicht solvent genug sind, überhaupt keine Ehe vor, weil weder weltliche noch geistliche Obrigkeit ein Interesse an der Reproduktion von Armut hatte. Wenn man sie dennoch als Inspirationsquelle nutzen möchte, könnte man vielleicht den Blick auf die äußerst zahlreichen Verbote allzu exzessiver Hochzeitsfeiern lenken, aber das nur am Rande.
Nicht alles, was Fleischhauer schreibt, ist gänzlich verkehrt, ich nehme ihm sogar zu hundert Prozent ab, dass die Konfirmation seines Sohnes nicht schön war. Und, ja, ich bin auch der Meinung, dass die Folgen von Ehescheidungen für das Umfeld und nicht zuletzt für die Kinder (wenn auch hier sicherlich gilt, dass in manchen Fällen ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende) zu wenig bedacht sind.
Und ich kann auch seine Enttäuschung verstehen, ohne sie zu teilen, wenn er plötzlich gewahr wird, dass die Kirche nicht dafür da ist, konservativen politischen Meinungen ein religiöses Finish zu verpassen.
Der Karrrdinal.
Ach ja, der hat ja auch noch gefehlt (hat eigentlich Matthias Mattussek noch nichts gesagt?). Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner hat es sich nicht nehmen lassen, äußerst wortreich zu urteilen und in gewohnt zelotischer Manier sich selbst und seine Kirche als weihrauchgeschwängerte Bastion all dessen zu inszenieren, was früher angeblich besser gewesen ist. Zwar schreckt auch Meisner bei aller Altehrwürdigkeit nicht vor dem Gebrauch von Kampfbegriffen aus dem vulgärfundamentalistischen Standardrepertoire zurück ("Zeitgeist statt Heiliger Geist"); die Wurzel allen Übels indes liegt seiner Meinung nach weiter zurück:
Die Reformatoren haben die christliche Überzeugung von der Sakralität der Ehe aufgegeben und diese zu einem "weltlich Ding" erklärt, worauf sich auch das vorgelegte Dokument beruft. Wie sich nun in aller Deutlichkeit zeigt, wird die Ehe so zu einer rein innerweltlichen Institution, die durch andere Zweckverbindungen ersetzt werden kann. Dass ausgerechnet Christen einen solchen Rückschritt im Verständnis von Ehe und Familie initiieren würden, hätte ich nicht für möglich gehalten!
Das unpräzise Gerede von "der christliche[n] Überzeugung von der Sakralität der Ehe" suggeriert, es habe vor der Reformation keine andere gegeben. Das jedoch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Unsinn. In einer apologetischen Schrift vom Anfang des 3. Jahrhunderts heißt es über die Christen, diese seien eigentlich Menschen wie alle anderen auch, sie
"sind weder durch Heimat noch durch Sprache und Sitten von den übrigen Menschen verschieden [...], heiraten und zeugen Kinder, setzen aber die geborenen [Kinder] nicht aus."
- Zitiert nach Chr. Grethlein, Grundinformation Kasualien.
Kommunikation des Evangeliums an Übergängen des Lebens, Göttingen 2007, 218.
Und noch in den Entscheidungen der Konzile von Basel/Ferrara/Florenz und Trient mehr als 1000 Jahre später zeigt sich, dass die Sakramentalität der Ehe alles andere als eindeutig ist. Ganz abrunden lässt sich die Kirchengeschichte also nicht.
Es ist im Übrigen auch nicht so, dass die EKD hier mit dem Zeitgeist im Rücken irgendwelche Dämme einreißen würde. Die Kritik an einer offenbarungstheologischen Überhöhung biologischer oder sozialer Strukturen hat gute Tradition. Schon 1951 schrieb Karl Barth:
Es ist im Übrigen auch nicht so, dass die EKD hier mit dem Zeitgeist im Rücken irgendwelche Dämme einreißen würde. Die Kritik an einer offenbarungstheologischen Überhöhung biologischer oder sozialer Strukturen hat gute Tradition. Schon 1951 schrieb Karl Barth:
Es waren Denkgewohnheiten und praktische Gepflogenheiten der ‚christianisierten‘ Heidenvölker, die dem Begriff der ‚Familie‘ später den Glanz eines Grundbegriffes christlicher Ethik gegeben haben. Wir haben keinen Anlaß, uns ihnen anzuschließen
- K. Barth, KD III/4, Zürich 1951, 271.
Man mag sich ja fragen, warum sich ein katholischer Erzbischof bemüßigt fühlt, derart ausführlich Stellung zu einer evangelischen Orientierungshilfe zu beziehen. Die Antwort gibt der Kardinal selbst:
Im Zeitalter der Ökumene ist es geradezu die Pflicht der katholischen Kirche, an den Geschehnissen in anderen Kirchen und Gemeinschaften Anteil zu nehmen. Darum bitte ich die Evangelische Kirche in Deutschland eindringlich, ihre Position hinsichtlich von Ehe und Familie zu überdenken und zurückzukehren zur Überzeugung, die unser Herr Jesus Christus uns gelehrt hat.
Die "Überzeugung, die unser Herr Jesus Christus uns gelehrt hat" ist natürlich keine andere als die, die der Kardinal selbst vertritt. Aber da treffen sich evangelische und katholische Christen durchaus - man hat ja immer die gleiche Meinung wie der Herr Jesus. Und natürlich ist es gut, wenn wir Stellungnahmen der anderen wahrnehmen, gerne auch kritisch. Aber nicht alle Kritik geht eben von theologischen oder hermeneutischen Voraussetzungen aus, die unkritisch übernommen werden können. Einige kritische Stimmen allerdings sehr wohl:
Begründete Kritik
| (c) de.wikipedia.org |
Trotz aller erfreulichen Tendenzen ist die Orientierungshilfe sicher nicht frei von problematischen Passagen und Schlussfolgerungen. Wäre ja auch schlimm, wenn das anders wäre. Zwei Kritikern aus den eigenen Reihen kann ich mich streckenweise anschließen:
Frank Otfried July, Bischof der Württembergischen Landeskirche, findet viel Positives an der Orientierungshilfe, kritisiert jedoch vor allem zwei Punkte: Mit der Relativierung der Ehe sei eine Institutionenethik zugunsten einer Beziehungsethik verändert worden, was in der Tat bedenkenswert ist. Gewichtiger scheint mir seine Anfragen an den Entstehungsprozess der Orientierungshilfe zu sein:
Frank Otfried July, Bischof der Württembergischen Landeskirche, findet viel Positives an der Orientierungshilfe, kritisiert jedoch vor allem zwei Punkte: Mit der Relativierung der Ehe sei eine Institutionenethik zugunsten einer Beziehungsethik verändert worden, was in der Tat bedenkenswert ist. Gewichtiger scheint mir seine Anfragen an den Entstehungsprozess der Orientierungshilfe zu sein:
Grundsätzlich bin ich im Zweifel, ob bei solch grundlegenden Fragen – wie in der vorgelegten Orientierungshilfe – das Verfahren zur Entstehung sachgerecht ist. [...] Als evangelische Kirche tun wir gut daran, bei derartigen Fragen in einem ausführlichen Konsultationsprozess die Landeskirchen, Synoden, Kirchengemeinderäte etc. zu beteiligen, um zu einer weithin getragenen Orientierung zu kommen. Eine solche Konsultation rege ich ausdrücklich an.
Hier stellt sich die Frage nach Autorität(sanspruch) und Selbstverständnis der EKD, wenn Stellungnahmen hinter verschlossenen Türen durch einige wenige Experten produziert und dann gegenüber der Öffentlichkeit, auch der kirchlichen, quasi als "Überraschung" aus dem Hut gezaubert werden. Ähnlich scheint das Vorgehen bei der sich in Arbeit befindlichen Orientierungshilfe zum Thema "Sexualität" zu sein, über die sich der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in Schweigen hüllt.
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Markus Dröge, Bischof der EKBO, spricht sich in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel für die Aufwertung ehelicher und partnerschaftlicher Treue aus, allerdings gänzlich ohne moralisierendes Beharren auf tradierten Lebensformen, sondern unter Rückgriff auf die gut biblisch-theologische Kategorie des Bundes. Er schreibt abschließend:
Ich begrüße die Orientierungshilfe ausdrücklich als einen wichtigen Diskussionsbeitrag. Allerdings hätte ich mir mehr theologische Klarheit gewünscht, um die verlässliche Gemeinschaft sowohl in der Ehe als auch in anderen Lebensformen noch deutlicher zu stärken. Die Ökumene könnte gestärkt werden, wenn die katholische Kirche den Ball als Herausforderung aufnimmt und nun selbst konstruktiv darlegt, wie sie neue Lebensformen angemessen ethisch würdigen will.Ich würde einen Schritt weiter gehen und mir nicht nur mehr theologische Klarheit, sondern mehr Vertrauen in die Theologie wünschen. Es ist richtig und gut und unaufgebbar, dass wir humanwissenschaftliche Erkenntnisse ernst- und aufnehmen. Es wird aber den berechtigten Erwartungen, die Menschen an die Kirche richten, nicht gerecht, wenn wir uns darauf beschränken, allgemeine Richtigkeiten und einen breiten gesellschaftlichen Konsens mit einigen Bibelversen und Zitaten aus der Theologiegeschichte zu schmücken. Das ist kein prophetisches Wagnis, denn was in der Orientierungshilfe als status quo festgestellt wird, entspricht, auch, wenn es in kirchlichen Kreisen für Aufruhr sorgt, weitestgehend dem absoluten common sense der Sozialwissenschaften der letzten Jahrzehnte. Vom Politikunterricht der siebten Klasse habe ich behalten, dass es ein typisches Vorgehen von Leitungsfiguren mit schwacher Autorität ist, genau das anzuordnen oder zu erlauben, was die Gruppenmitglieder ohnehin tun. Vielleicht würde es uns als Kirche gut tun, uns auf unsere Kernkompetenzen zu besinnen und uns, bei aller notwendigen Dialogbereitschaft, nicht so sehr nach dem erhofften Höflichkeitsapplaus Außenstehender zu richten.
Zum Schluss: Meine fuffzich Cent
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Montag, 10. Juni 2013
"Hilfe, ich soll eine Fürbitte halten...!" Erste Hilfe für Betroffene
„… dann halten Sie doch einfach eine Fürbitte!“ Das sagen wir Pastorinnen und Pastoren gern, wenn bei Gesprächen vor Taufen und Trauungen der Wunsch nach Mitwirkung von Verwandten und Freunden geäußert wird. Es ist auch eine schöne Möglichkeit: Ein
Gottesdienst gewinnt dadurch, wenn mehr Stimmen als nur die der Liturgen
in ihm laut werden. Und das Beten mit- und füreinander gehört ohnehin zum Wichtigsten, was man mit- und füreinander tun kann, auch in Familien - a family that prays together stays together war der vielleicht etwas vereinfachende, aber sehr eingängige Slogan einer katholischen Kampagne im England der 1950erjahre.
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| Foto von blog.prinz.de |
Allerdings: Einfach ist so eine Fürbitte wahrscheinlich in erster Linie für uns selbst, die wir fast jeden Sonntag neue verfassen, von uns selbst aus alten Gottesdiensten klauen oder aus dem geschätzten Regalmeter mit Gebetsliteratur abschreiben, der in jedem pastoralen Arbeitszimmer zu finden sein dürfte. Für die betroffenen Paten oder „Trauzeugen“ (in
Anführungszeichen deswegen, weil in evangelischen Gottesdiensten nicht getraut,
sondern eine bereits vollzogene Eheschließung gesegnet wird) ist da manchmal guter Rat teuer. Nicht jede betet selbst so
regelmäßig und selbstbewusst, dass sie sich ohne weiteres nach vorne stellt und
stellvertretend für die Anwesenden das Wort ergreift. Mancher ist sich
womöglich unsicher, ob er nicht Gefahr läuft, irgendwelche ungeschriebenen
Regeln zu brechen, und seien es die der Grammatik kirchlicher Binnensprache.
Kein Wunder also, dass die Frage nach Fürbitten manche online-Diskussion
entfacht und manchen Websites durchaus unterschiedlicher Qualität Besucherinnen
und Besucher zutreibt.
Bei der Suche im Internet stellt sich heraus, dass es von
„offizieller“ Seite keinen Leitfaden gibt – weder die Evangelische, noch die
Katholische Kirche bieten leicht zugängliche Orientierungs- und
Formulierungshilfen an. Das finde ich äußerst schade, zumal ich glaube, dass
das Formulieren einer Fürbitte auch ein interessanter geistlicher Prozess sein
kann.
Aber, genug der Vorrede, hier nun meine sieben Schritte für Betroffene als ein Weg zur eigenen Fürbitte – entscheiden Sie selbst, welche für Sie brauchbar und wichtig sind.
1. Nehmen Sie sich Papier, Stift - und Zeit!
| (c) Lupo / pixelio.de |
2. Fragen Sie sich: Um was bitte ich?
Gönnen Sie sich ein bisschen Zeit und Ruhe, um sich diese Gedanken zu machen. Was wünschen Sie dem Brautpaar und seiner Familie, was hoffen Sie für das Leben des Täuflings und seiner Eltern? Was befürchten Sie, bzw. was wollen Sie auf gar keinen Fall? Und was brauchen Sie als Angehörige/r, um ihnen in den verschiedenen Lebenssituationen beizustehen? Schreiben Sie auf, was Ihnen in den Sinn kommt, ohne gleich danach auszusortieren, welche Formulierungen im Gottesdienst „schön klingen“.
Gönnen Sie sich die Zeit für diesen ersten Schritt, Sie ahnen es vielleicht schon: Hier geht es durchaus ans Eingemachte, genauer gesagt: Um Ihre Vorstellungen von einem gelingenden Leben - und um Ihre Erfahrungen, wo solche Vorstellungen nicht erfüllt worden, Träume geplatzt sind und wo Ihr Leben unerwartete Wendungen genommen hat. Und um die Frage, wie solche Erfahrungen Ihren Glauben beeinflusst, Ihre Vorstellungen von und Ihre Beziehung zu Gott verändert haben.
3. Machen Sie sich klar: Wen bitte ich?
Es klingt überflüssig, sei aber trotzdem noch einmal gesagt:
Beten ist Reden mit Gott. Das heißt: Mein Ansprechpartner auch in der Fürbitte
ist Gott, niemand anderes. Das schließt etwa folgenden gute Wünsche aus: „Mein
liebes Patenkind, ich möchte immer für dich dasein…“ und so weiter. Das ist ein
schönes und wichtiges Versprechen – aber das sollten Sie Ihrem Patenkind an
einer anderen Stelle (und, gerade bei Säuglingen) auch zu einem Zeitpunkt (nochmal)
geben, wenn das Kind es versteht. Auch Glückwünsche an das Brautpaar kommen
später beim Essen besser.
Das führt gleichzeitig eine besondere Art der Sprache mit sich – wir reden nicht über Gott und über das Beten („ich bitte Gott um…“), sondern mit ihm („Gott, ich bitte dich um…“). Das heißt auch, dass man nicht unter der Hand Appelle an die Anwesenden richtet – schon allein deswegen nicht, weil die Angesprochenen in dieser Situation nicht reagieren können.
Und das hat Auswirkungen auf das, um was Sie bitten. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: "Man soll den lieben Gott nicht um das bitten, was man selbst tun kann." Es gibt Fälle, in denen das eindeutig ist und in denen die genaue Unterscheidung nicht nur unser Beten, sondern auch unser Handeln beeinflussen kann: Man kann Gott um gerechte Arbeitsbedingungen für die Kinder in den Textilfabriken von Bangladesh bitten. Man kann auch erst einmal aufhören, selbst die Kleidung zu kaufen, die genau dort für Centbeträge produziert wird. Aber natürlich ist das pauschal, und natürlich ist die Unterscheidung nicht immer so einfach.
Vielleicht hilft hier das Konkrete: „Gott, stell' NN Menschen an die Seite, die für ihn da sind und ihm zuhören“ ist eine häufig vorgetragene Fürbitte bei Taufen, gerade bei kleinen Kindern. Das ist in hohem Maße wünschenswert. Aber: Bei der Taufe versprechen mindestens die Eltern und Paten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für das Kind da zu sein. Damit soll dieser Aspekt gar nicht ganz rausfallen, aber ein bisschen erweitert werden. Zum Beispiel, indem man für diese Menschen um Geduld bittet, um das richtige Maß, das Gefühl für die eigenen Grenzen und um den langen Atem, den es braucht, wenn man ein Kind auf seinem Weg begleiten will.
Vielleicht tun Sie das aber auch gar nicht so regelmäßig. Vielleicht gehören Sie zu denen, die in einem vollen Alltag Schwierigkeiten haben, dafür Platz zu reservieren, oder die von sich sagen: "Ich weiß gar nicht richtig, wie das geht". Das ist überhaupt nichts Schlimmes, Sie sind auch nicht allein damit - und haben jetzt eine Supergelegenheit, damit anzufangen!
Probieren Sie Ihre Bitten, von denen jetzt einige auf Ihrem Zettel stehen dürften, aus: Lesen Sie sie laut - und gehen Sie mal davon aus, dass der, den Sie ansprechen, Ihnen auch jetzt schon zuhört. Und seien Sie ruhig offen für die Vorschläge, die Ihnen dabei in den Mund gelegt werden.
Das führt gleichzeitig eine besondere Art der Sprache mit sich – wir reden nicht über Gott und über das Beten („ich bitte Gott um…“), sondern mit ihm („Gott, ich bitte dich um…“). Das heißt auch, dass man nicht unter der Hand Appelle an die Anwesenden richtet – schon allein deswegen nicht, weil die Angesprochenen in dieser Situation nicht reagieren können.
Und das hat Auswirkungen auf das, um was Sie bitten. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: "Man soll den lieben Gott nicht um das bitten, was man selbst tun kann." Es gibt Fälle, in denen das eindeutig ist und in denen die genaue Unterscheidung nicht nur unser Beten, sondern auch unser Handeln beeinflussen kann: Man kann Gott um gerechte Arbeitsbedingungen für die Kinder in den Textilfabriken von Bangladesh bitten. Man kann auch erst einmal aufhören, selbst die Kleidung zu kaufen, die genau dort für Centbeträge produziert wird. Aber natürlich ist das pauschal, und natürlich ist die Unterscheidung nicht immer so einfach.
Vielleicht hilft hier das Konkrete: „Gott, stell' NN Menschen an die Seite, die für ihn da sind und ihm zuhören“ ist eine häufig vorgetragene Fürbitte bei Taufen, gerade bei kleinen Kindern. Das ist in hohem Maße wünschenswert. Aber: Bei der Taufe versprechen mindestens die Eltern und Paten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für das Kind da zu sein. Damit soll dieser Aspekt gar nicht ganz rausfallen, aber ein bisschen erweitert werden. Zum Beispiel, indem man für diese Menschen um Geduld bittet, um das richtige Maß, das Gefühl für die eigenen Grenzen und um den langen Atem, den es braucht, wenn man ein Kind auf seinem Weg begleiten will.
4. Probieren Sie es aus!
Klingt vielleicht zunächst komisch, aber: Wenn Sie im Gottesdienst eine Fürbitte halten, dann tun Sie nichts anderes als das, was Sie zuhause abends vor dem Schlafengehen, sonntags in der Kirche, in schwierigen Situationen stoßseufzend ohnehin tun: Beten.| (c) Isinor / pixelio.de |
Probieren Sie Ihre Bitten, von denen jetzt einige auf Ihrem Zettel stehen dürften, aus: Lesen Sie sie laut - und gehen Sie mal davon aus, dass der, den Sie ansprechen, Ihnen auch jetzt schon zuhört. Und seien Sie ruhig offen für die Vorschläge, die Ihnen dabei in den Mund gelegt werden.
5. Fragen Sie sich: Mit wem bitte ich?
Wenn Sie im Gottesdienst eine Fürbitte vortragen, dann tun
Sie das stellvertretend für alle anderen, die idealer Weise am Ende laut und
einstimmend „Amen“ sagen können. In einem Trau- oder Taufgottesdienst sind eine
Menge Menschen mit dabei, die sehr unterschiedliche Lebensgeschichten und
Lebensentwürfe haben. Auch deswegen ist
eine Fürbitte mehr als eine Auflistung Ihrer persönlichen Wünsche.
Natürlich kommen nie alle in gleichem Maße in einer Fürbitte vor – dafür sind Menschen zu verschieden. Aber bedenken Sie, dass in einem Traugottesdienst die Bitte „Erhalte alle Ehen“ problematisch sein könnte. Denn bei aller Sympathie für Verbindlichkeit in Ehen: Es gibt weiß Gott auch Beziehungen, von denen man nur hoffen kann, dass einer von beiden die Reißleine zieht, bevor der Schaden noch größer wird.
Nehmen Sie sich auch hier ein bisschen Zeit und fantasieren Sie ein bisschen: Wer außer Ihnen sitzt noch in diesem Gottesdienst? Welche Geschichten haben die anderen – und was erhoffen sie sich von Gott? Wie gesagt: Es geht hier nicht um den Zwang zu Vollständigkeit, eher um eine Einladung, den Blick zu weiten. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt:
Natürlich kommen nie alle in gleichem Maße in einer Fürbitte vor – dafür sind Menschen zu verschieden. Aber bedenken Sie, dass in einem Traugottesdienst die Bitte „Erhalte alle Ehen“ problematisch sein könnte. Denn bei aller Sympathie für Verbindlichkeit in Ehen: Es gibt weiß Gott auch Beziehungen, von denen man nur hoffen kann, dass einer von beiden die Reißleine zieht, bevor der Schaden noch größer wird.
Nehmen Sie sich auch hier ein bisschen Zeit und fantasieren Sie ein bisschen: Wer außer Ihnen sitzt noch in diesem Gottesdienst? Welche Geschichten haben die anderen – und was erhoffen sie sich von Gott? Wie gesagt: Es geht hier nicht um den Zwang zu Vollständigkeit, eher um eine Einladung, den Blick zu weiten. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt:
6. Weiten Sie den Blick.
Die Fürbitte ist ein klassischer Punkt des Gottesdienstes,
an dem die Gottesdienstgemeinde den Blick weitet und auch diejenigen mit
aufnimmt, die nicht mit in der Kirche sind. Gerade bei einem Traugottesdienst
oder einem separaten Taufgottesdienst ist das wichtig, denn beides sind keine
familiären Privatveranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sondern
Feiern der Gemeinde. Und die hat eine
Verantwortung für die Welt.
Die Struktur der Fürbitte kann dabei diesen Prozess der
Öffnung widerspiegeln – beginnen Sie mit der Fürbitte für die Familie, machen
Sie dann den Kreis etwas größer und nehmen Sie die Gemeinde und oder die Stadt
mit hinein, um dann zum großen Weltgeschehen zu kommen, zum Beispiel, in dem Sie
um Weisheit, Geduld und Mut für die politischen Entscheidungsträgerinnen und
Entscheidungsträger beten – nötig ist das allemal. Unter diesem Aspekt können Sie die Punkte eins bis drei noch einmal wiederholen.
Erliegen Sie nicht der Versuchung, Ihre eigenen Formulierungen ins Kirchendeutsche zu übersetzen - es wird allen Anwesenden gut tun, mal keine theologisierenden Formulierungen zu hören!
Wenn Sie nicht der/die einzige Fürbittende sind, sind hier auch Absprachen mit den anderen Beteiligten dran. Falls Sie die noch nicht kennen - umso besser! Einigen Sie sich darauf, in welcher Reihenfolge Sie einzelne Partien übernehmen.
In katholischen Gottesdiensten ist es üblich, dass die ganze Gemeinde nach den Einzelbitten oder nach thematisch zusammengefassten Bitten sagt: "Herr, erhöre uns". Oder etwas in der Art. Ich finde das sehr schön, weil so alle anderen stärker beteiligt sind - allerdings ist es eher unüblich in evangelischen Gemeinden. Helfen Sie dann einfach den Leuten, indem Sie am Anfang eine kurze Regieanweisung geben: "Wir halten Fürbitte und ich bitte Euch, nach den Bitten mit uns einzustimmen in den Ruf: Herr, erhöre uns." Und markieren Sie in der Fürbitte, wann es so weit ist - zum Beispiel, indem Sie sagen: "...gemeinsam rufen wir zu Dir: Herr, erhöre uns."
Jetzt kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen. Und bei Fragen helfen die Kolleginnen und Kollegen vor Ort weiter!
7. Feilen Sie an der Form.
Jetzt geht es an das Ausformulieren, und erst jetzt ist die Zeit für kleinere Schönheitskorrekturen an den einzelnen Formulierungen: Welche Bitten kann man zusammen fassen, in welcher Reihenfolge tragen Sie sie vor? Gibt es Wiederholungen, die man entweder durch sprachliche Variationen auflockern könnte - oder kann man sie bewusst stark machen, um eine Regelmäßigkeit im Sprachrhythmus zu gewinnen? Beides hat seinen Reiz.Erliegen Sie nicht der Versuchung, Ihre eigenen Formulierungen ins Kirchendeutsche zu übersetzen - es wird allen Anwesenden gut tun, mal keine theologisierenden Formulierungen zu hören!
Wenn Sie nicht der/die einzige Fürbittende sind, sind hier auch Absprachen mit den anderen Beteiligten dran. Falls Sie die noch nicht kennen - umso besser! Einigen Sie sich darauf, in welcher Reihenfolge Sie einzelne Partien übernehmen.
In katholischen Gottesdiensten ist es üblich, dass die ganze Gemeinde nach den Einzelbitten oder nach thematisch zusammengefassten Bitten sagt: "Herr, erhöre uns". Oder etwas in der Art. Ich finde das sehr schön, weil so alle anderen stärker beteiligt sind - allerdings ist es eher unüblich in evangelischen Gemeinden. Helfen Sie dann einfach den Leuten, indem Sie am Anfang eine kurze Regieanweisung geben: "Wir halten Fürbitte und ich bitte Euch, nach den Bitten mit uns einzustimmen in den Ruf: Herr, erhöre uns." Und markieren Sie in der Fürbitte, wann es so weit ist - zum Beispiel, indem Sie sagen: "...gemeinsam rufen wir zu Dir: Herr, erhöre uns."
Jetzt kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen. Und bei Fragen helfen die Kolleginnen und Kollegen vor Ort weiter!
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