Montag, 6. Juli 2015

Geschichte mit Flügeln. Düfte. Predigt über Lk 15,1.11-32

Bild geliehen bei deutschlandfunk.de


An seinem 18. Geburtstag erklärt der Sohn seinem Vater vollmundig: 
„Papa, ich bin jetzt achtzehn, ich bin volljährig, jetzt lass‘ ich die Sau raus, geh in alle Bars und Kneipen und mache, was ich will!“ 
Der Vater lächelt geduldig und sagt: „Tu, was Du nicht lassen kannst.“ 
„Ach so“, fügt der Sohn hinzu, „ich bin gerade ein bisschen pleite – kannst Du mir was leihen?“ 
Der Vater lächelt wissend und fährt fort: „Und lass, was Du nicht tun kannst…“ 

Liebe Gemeinde, ihr ahnt, worum es geht. Eine Geschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen, eine Geschichte zwischen dem heimischen Viehstall und der großen weiten Welt, eine Geschichte von Verschwendung und dem Ende aller Aufrechnerei, von Aufbruch, Höhenflügen und Tiefpunkten, von Reue und Heimkehr, zwischen Alltag und Fest. Eine Geschichte, die gut genug ist, sich selbständig zu machen, Flügel zu bekommen und immer wieder erzählt zu werden. Die aber zum ersten Mal in einer bestimmten Situation erzählt wird. 

Da ist Jesus, unterwegs irgendwo zwischen Janin, Nablus und Ramallah, einer kargen, hügeligen Landschaft, dem heutigen Westjordanland. Damals wie heute ein Gebiet, das von Juden gemieden wird, ungastlich und fremd. Und Jesus tut, was er auch sonst tut: Er spricht zu den Menschen, teilt Essen und Trinken mit ihnen, und an seine Fersen heften sich Leute, deren Applaus verdächtig macht und deren Gesellschaft ehrenrührig ist. 

Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden. 

(c) USRFoto / pixelio.de

Liebe Gemeinde, irgendwann im Leben wird das Alte zu eng, das Kinderzimmer zu klein, die aufgetragenen Kleider sind endgültig verschlissen und aus der großen weiten Welt lockt der Geruch der Freiheit: 

Nach Salz und Seetang und Motorenöl, 
nach Sonne auf der Haut, 
nach Lagerfeuer und nach Leder 
und Zimt und Koriander, 
Sandelholz und Minze, 
nach neuen Autositzen und Diesel, 
Zigarrenrauch, Doppelapfel und Malz, 
nach Schweiß und billigem Parfüm, 
Kerzenwachs, Latex und heißer Haut, 
Schießpulver und verbranntem Gummi.

Und der jüngere Sohn sammelte alles zusammen und zog in ein fernes Land… Und der Vater lässt ihn gehen, und am Anfang dieser Geschichte entfaltet Jesus, wie nebenbei, seine Vorstellungen von Familie, und die hat immer etwas mit Freiheit zu tun, mit Selbständigkeit und Abnabelung seitens der Kinder und mit elterlicher Liebe, die groß genug ist, um im richtigen Moment loszulassen. Also wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, wir hören es in jedem Traugottesdienst, und die Geschichte nimmt ihren Lauf, eine Geschichte, die gut genug ist, Flügel zu bekommen und immer wieder erzählt zu werden. Und mir fallen Menschen ein, denen ich diese Geschichte erzählen möchte, zum Beispiel dem Vater einer Jugendlichen aus X. Gut gehende Anwaltskanzlei, spezialisiert auf Wirtschaftsrecht, also den Bereich, wo das Geld zuhause ist, und der geht natürlich davon aus, dass seine Tochter, die nächstes Jahr ihr Abitur macht, Jura studiert und dann einsteigt und später die Kanzlei übernimmt. Nur: Die weiß gar nicht, ob sie überhaupt studieren will, schwankt noch zwischen Sozialpädagogik und einer Ausbildung zur Erzieherin und traut sich nicht, das zuhause zu erzählen. Ihr Vater stellt sie bei gesellschaftlichen Anlässen gerne vor mit den Worten: „Ach, da kommt meine zukünftige Juniorpartnerin!“ 

Aber die Geschichte geht weiter, und steuert schon auf ihren Tiefpunkt zu: 

Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben.  

Liebe Gemeinde, vielleicht regt sich an dieser Stelle ein bisschen Schadenfreude, vielleicht liegt es nahe, an dieser Stelle den Finger zu heben und zu sagen: „Siehste!“, und einen klugen Ratschlag hinterherzuschieben: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Aber Jesus tut das nicht, und ein paar kleine Zwischenbemerkungen verhindern, dass wir seine Geschichte im Dienste unseres bürgerlichen Sicherheitsdenkens ausschlachten und aus der Geschichte vom Vater und seinen Söhnen umdichten zu der Fabel von der Ameise und der Grille, und mit der Ameise sagen: „Hast du im Sommer singen und pfeifen können, dann kannst du jetzt im Winter tanzen und hungern, denn Faulenzen bringt kein Brot ins Haus.“ Der Sohn bringt sein Geld irgendwie durch, und vielleicht muss man sich erst einmal klar machen, dass wir hier von keinen Reichtümern reden. Der Vater kann zwar Knechte und Tagelöhner beschäftigen, hat aber nur ein Mastkalb, wir bewegen uns also in kleineren Kreisen als einem mittelständischen Betrieb, und außerdem fällt das Erbteil des jüngeren Sohnes nach israelitischem Recht deutlich kleiner aus als das des älteren Bruders, denn die Aufteilungsrate betrug bei zwei erbberechtigten Söhnen zwei Drittel für den Älteren, ein Drittel für den Jüngeren. 

Der Jüngere bringt sein Erbteil irgendwie durch, und es spielt eigentlich auch gar keine Rolle, wie genau, denn: Als das Geld schon weg war, kam eine große Hungersnot über dieses Land. Und wenn in der Antike eine Hungersnot über das Land kommt, dann hungern alle, die ganz, ganz wenigen Superreichen vielleicht ausgenommen. Und ich glaube nicht, dass Jesus solche Randbemerkungen einfach so fallen lässt, und gerade das macht sie zu einer so guten Geschichte, die Flügel bekommen und immer wieder erzählt werden kann. Und mir fallen Menschen ein, denen ich diese Geschichte erzählen möchte. Zum Beispiel denen, denen es gut geht, die sich selbst versorgen können und felsenfest davon überzeugt sind: Jeder ist seines Glückes Schmied. Denn das stimmt immer nur unter sehr bestimmten Umständen und in sehr sicheren Verhältnissen. 

Und der Duft in der Luft hat sich gewandelt, 
das Land in der Fremde riecht plötzlich nach Staub und Schweiß, 
nach fauligen Abfällen und dem ganz besonderen Aroma, 
scharf und beißend, wie ihn nur Hungernde verströmen, 
nach ausgedörrter Erde, 
und dem Stallmist der Schweine, 
der einem jüdischen Sohn wie nichts anderes in der Nase brennt. 

(c) angieconscious / Pixelio.de

Und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 

Manchmal endet der Flug in die Freiheit auf dem harten, schmutzigen Boden der Tatsachen. Manchmal gehen Geschäftsideen nicht auf, zerplatzen Träume, Chancen werden verpasst, oder das Leben kommt dazwischen. Und übrig bleibt die Scham, die am Körper klebt wie die ungewaschene Kleidung, wie Straßenstaub und Schweinedreck, die den Blick in den Spiegel unerträglich macht. 

Und vielleicht ist das der größte Kampf, der in dieser Geschichte ausgefochten wird, der Kampf gegen den eigenen Stolz, das schwere Eingeständnis, dass der eigene Lebensentwurf gescheitert und alle Pläne zunichte gemacht sind. Und gerade wegen diesem Kampf ist diese Geschichte eine gute, die Flügel bekommen und Flügel wachsen lassen und immer wieder erzählt werden kann. Und ich möchte sie all denen erzählen, die mit schwitzenden Händen und hängenden Schultern und klopfendem Herzen vor einer Tür stehen, der Finger Zentimeter über dem Klingelknopf neben dem Schild mit dem so vertrauten und so gefürchteten Namen. All denen, die nicht wissen, ob sie heute zum Abendmahl gehen dürfen, weil sie lange nicht in der Kirche waren oder nicht wissen, ob sie gut genug sind. 

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 

Liebe Gemeinde, ein bisschen Essig bleibt im Wein, ein saurer, bitterer Geruch schleicht sich ein in Gestalt des älteren Sohnes, der damals den größten Teil des Erbteils abbekommen und wahrscheinlich vermehrt hat. Er begrüßt seinen Bruder nicht, spricht nicht mit ihm, klagt nur über ihn, stellt Mutmaßungen an über das, was gewesen ist, und fühlt sich zurückgesetzt, bedroht, untervorteilt. Und auch dieser letzte Schauplatz macht die Geschichte für mich zu einer guten Geschichte, weil sie glaubwürdig ist, und ich möchte sie weiterzählen. Zum Beispiel denen, die mit sicherer Rente und einem Dach über dem Kopf in Internetforen oder an Stammtischen darüber klagen, dass Flüchtlinge ein Handy besitzen und saubere Kleidung. 

Aber sie behalten nicht das letzte Wort. 
Zurück bleiben Vater und Sohn. 
Am Ende: Ein offener Arm, ein großes Fest. 

„Papa“, sagte der Sohn, „ich bin erwachsen, ich kann machen, was ich will!“ 
„Tu, was Du nicht lassen kannst“, sagt der Vater wissend. 
„Aber Papa, ich hab kein Geld! Kannst Du mir was leihen?“ 
„Lass, was Du nicht tun kannst“, sagt der Vater, „und wenn Du merkst, dass Du nicht mehr kannst, dann komm zurück mir, in meine offenen Arme, in meine verschwenderische Liebe.“ 

Und der Heimgekehrte lässt sich fallen in die offenen Arme, 
spürt ein anderes Herz gegen seine Brust schlagen, 
bohrt die Nase in die Kleidung 
und riecht den Duft von Zuhause. 
Nach Pfeifenrauch und Apfelkuchen, 
nach Hefe und Wick Vaporup, 
nach Niveacreme und ofenwarmen Graubrot, 
nach Schweiß und Zimt und Zucker, 
nach Bratkartoffeln und Waschmittel, 
Heizöl und Maiglöckchen, 
Wein und Grill und Braten, 
nach Verlorenem und Wiedergefundenem 
und einem großen Fest. 
Willkommen zuhause. 

Und der Friede Gottes…

(c) Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Mittwoch, 17. Juni 2015

Efter regnet... Andakt vid midsommarfirandet i Köln

(Betraktelsen fick skrivas om tidigt i lördags morse. Inspiration kommer, om man bortser från själva vädret, främst från Maria Bergius Krämer)



Sommar, sommar, sommar,
men det är inte så mycket till dans i folkets park,
och inga picknickfiltar på roddklubbens gröna
men ack så dyblöta äng.
Sommaren är kort,
det mesta regnar bort,
men måste det regna just idag?
Kan inte du beställa solsken,
var det någon som undrade häromdagen,
du som av yrkesmässiga skäl ändå borde ha
bra kontakter till vem det än är
som ställer och styr däruppe?

Men den som ställer och styr däruppe
kanske tyckte att det på tiden
att det regnade lite, just idag.
Fråga mina sloknade blommor i trädgården,
fråga det knastrande, gulnade gräset,
fråga den torra markens sprickor,
fråga allt det som väckts till nytt liv efter regnet,
se dig omkring och upptäck
den vackra och lysande grönskan
nu när de senaste dagarnas damm har sköljts bort.

Åh jag vandrar
i ett sommarregn
Ett regn som svalkar sanningen
Ett regn som sköljer dumheten
som vandrar
i ett sommarregn
så sjunger Per Gessle i musikgruppen Gyllene tider.

Sommarregn i all ära, men måste det regna just idag,
då vi firar vår anrika midsommarfest?
Kanske just det.
Jag ringde styrelsen i förmiddags, för jag undrade:
Blir det något firande i dag?
Absolut, sa de, då får vi väl trängas ihop under taket här.
Och när vi lagt på,
så tänkte jag att det kanske ligger en djupare mening
i det plaskande midsommarregnet,
som åtminstone då höll på att ösa ner utanför mitt fönster.
För ibland blir det inte som man har planerat.
Livet kommer emellan, helt enkelt.
Och visst kan man tycka att det är dumt,
och visst kan man gå omkring hela dagen
med bitter min och bistra tankar,
och mumla om hur orättvist det är,
hur synd om alla förberedelserna.
Men jag tror att man kan välja att acceptera det
och göra det bästa av situationen.
„Det blir aldrig fel, det blir bara annorlunda“,
var de någon som sa i min hemförsamling i Askim utanför Göteborg,
när årets tipsvandring precis blivit inställd pga åskväder
för ett par år sen.
Och precis som vi gör idag så bestämde vi oss då
att fira så bra det bara går,
och vad ska jag säga: Det blev en mycket lyckad eftermiddag.

Livet blir inte alltid så som vi har tänkt oss.
Och det kanske är bra att vi påminns om det då och då,
att våra prioriteringar inte alltid håller,
och att vi blir tvungna att släppa våra krav på perfektion
och öppna oss för nya möjligheter
bortom allt det som vi kan föreställa oss.

Ibland är den bästa festen den som börjar lite trögt och stapplande,
ibland är det lättare att brista ut i gapskratt när mascaran ändå runnit nerför ansiktet,
ibland leder det trånga myllret under ett skyddande tak
till spännande möten, givande samtal och nya bekantskap.
Ibland är det bara att göra som barnen
och ha kul ändå.

Kära vänner, om vi inte gjort det än,
så tycker jag att vi ska bestämma oss nu
för att ha en riktigt härlig dag tillsammans
härute i det gröna.

Där den som styr och ställer däruppe
är i full fart med att skapa nytt liv.


Hör, nu har regnet slutat att falla
Se, nu är luften klar och blå
Det är skönt att andas
Se, solen bryter äntligen fram
Och trollar med varje blad och strå
Jorden doftar ny
Solen värmer mot din hy
Allting har vilat
Allting får liv igen.
(Mats Nörklid)


Amen.

Freitag, 29. Mai 2015

#Ehefueralle

(Sagen die, die in der Kirche das Sagen haben!)


Dienstag, 19. Mai 2015

Gebete, die zu Boden fallen (Yere Düşen Dualar)

Die Inspiration zum Text kam (schon vor einer ganzen Weile) von einem Romantitel der türkischen Schriftstellerin Sema Kaygusuz. Yere Düşen Dualar heißt das Buch auf Türkisch, also wörtlich übersetzt: "Gebete, die zu Boden fallen". In der deutschen Übersetzung ist das verloren gegangen (hierzulande heißt das Buch "Wein und Gold"), aber ich finde, das Bild kann was. Deshalb mal ein leiserer, langsamerer Text. Für den PreacherSlam auf der Landesgartenschau in Landau. Der letzte Teil ist und bleibt gewidmet.

(c) Jürgen Acker / pixelio.de


Ein kleines Mäuerchen in Berlin-Mitte,
einer plötzlich wieder geteilten Stadt,
gespalten nicht in Ost und West,
sondern in Vorher und Nachher,
zwischen wir beide und nur noch ich allein.
Sie stützt den Kopf auf die Hände.
Alles ein Rauschen, ein Schreien,
eine bleierne Stille,
ein dröhnendes Echo:
„Es ist vorbei“.
Kein Raum für klare Gedanken,
keine Pause im Karussell der Bilder,
die sich drehen und verschwimmen.
Das Herz eine offene Wunde,
ergießt sich mit jedem Schlag in einem Schwall
blutroten Schmerzes,
zerrinnt in der Brust.
Der Magen presst es heraus:
ein gewürgtes „Warum“,
ein geweintes „Was jetzt?“
drängt nach oben
staut sich vor einem dicken Kloß im Hals,
nur ein paar gestammelte Fetzen quetschen sich vorbei,
vermischen sich mit Tränen,
rollen das Kinn hinunter,
tropfen zwischen ihren Füßen auf den Asphalt
und vertrocknen
zu winzigen Salzflecken.


Irgendwo am anderen Ende der Welt,
wo die Erde bebt
unter trampelnden Soldatenstiefeln,
oder donnernden Wasserfluten.
Er läuft, nein: rennt.
Um eine Kurve,
um sein Leben.
Japst und stöhnt, stolpert und fängt sich,
rennt weiter.
Muskeln trommeln und brennen,
Der Atem flach und stechend.
Ein Schrei wird geboren
von einem klopfenden Herzen,
bekommt keine Luft,
erstickt in der trockenen Kehle,
wird nach oben gespült,
kämpft sich nach vorn,
stirbt als Stöhnen auf rissigen Lippen,
und taumelt bleich und steif
auf die Straße
zwischen Tränen und Trümmern,
Sand und Staub
und bleibt liegen.

Ein Krankenzimmer in Bocholt,
die Vorhänge zugezogen.
Sie liegt auf ihrem Bett.
Die letzten Züge fallen schwer, tun weh.
Die Uhr tickt, so laut,
so schnell,
und doch so unendlich langsam.
Der Lärm der Welt entfernt sich.
Faltige, fleckige Hände falten Gebete,
ungelenk,
zerbrechliche Gebilde
aus dünnem Papier.
Auf einmal krampft die Hand sich zusammen.
Noch ein heftiger Atemzug,
noch ein Schluck Leben.
Der Rest ist ewiges Ausatmen.
Rotgrelles Piepen
zerschneidet den Tag.
Ein zerknüllter Fetzen aus unsichtbarem Papier
fällt aus der kraftlosen Hand,
rollt unters Bett
und bleibt liegen.

Gebete, die zu Boden fallen,
überall und zu allen Zeiten.

Gebete, die zu Boden fallen.
Wie ein Vogeljunges aus dem Nest
Nackt,
unfertig
und klein.
Auf hartem Asphalt,
zwischen Glas und Steinen.
Doch der im Himmel wohnt,
geht gebückt über die Erde.
Langsam, vorsichtig, nichts zertreten.
Kniet nieder.
Er hebt sie auf, birgt sie in seiner Hand,
zärtlich, nicht zu fest.
Bläst sie trocken mit warmem Atem.
Er wirft sie in die Höhe,
lässt sie fliegen.
Ein Windhauch, wie aus dem Nirgendwo,
ein sanftes, stilles Sausen
trägt sie hinauf. Höher und höher
über alle Wolken.
Große Gesänge,
wie Schwäne aus Weiß und Gold,
geben ihnen Geleit.
Sie landen auf einem ausgetreckten Arm.
Dessen, der neben dem Thron steht,
mit schmutzigen Knien.
Er neigt ihnen das Ohr zu,
und alle Himmel vibrieren
von ihrem Klang.
Und seiner  Antwort:
„Ich weiß.“


(Andere tolle Texte von der Landesgartenschau gibt es hier und hier!)

Montag, 18. Mai 2015

Mit alles, aber ohne... Schaf? scharf? Who knows...

Letzte Woche war mal wieder Workshop im tollen Predigtzentrum in Wittenberg und anschließender Predigtslam im ebenso tollen CLACK-Theater! 


„Mit alles, sagt der Typ vor mir im Dönerladen,
doch noch bevor der Dönermann
den schönen Fladen
mit allem, was er hat, beladen
kann, wird er gestoppt:
Nicht doch, ach nein,
Moment, halt ein,
ruft in letzter Sekunde
der Typ vor mir, der König Kunde,
mit alles, wiederholt er brav,
mit alles – aber ohne scharf!

Is kein Problem, sagt Dönermann,
ist Hähnchendöner, is kein Lamm,
(jetzt lass ich das mit dem Reimen auch sein)
und hobelt an seinem Spieß herum
und unter seinem Messer
perlen Fleischspäne hervor
und segeln fettglänzend hinab
wie Herbstlaub auf den Bürgersteig.
Ist Hähnchendöner, ist kein Lamm,
als ob jemand, der Döner ohne scharf bestellt,
freiwillig Lammfleisch essen würde,
das schmeckt viel zu sehr nach Streichelzoo,
viel zu viel Charakter.

Mit alles, aber ohne scharf.
Und ich denke mir so:
Was für ein Bild für unsre Welt.
Mit alles.
Aber nichts, was den Gaumen irritieren,
die Kehle kitzeln,
bis in die Fingerspitzen
wärmen
oder vielleicht sogar zu Tränen rühren
könnte.

Und draußen auf der Straße geht ein Paar
in den vermeintlich besten Jahren,
wie man sagt,
zu alt für durchgehende Erotik
und zu jung,
um sie nicht mehr zu vermissen.
Nennen wir sie Gisela und Kurt.
Gisela möchte mehr Schärfe im Leben,
deswegen machen sie einen Tangokurs bei Rudolfo.
Aber da gibt es keine Schärfe,
denn Rudolfo heißt natürlich nicht so,
sondern Rudi,
und seine latinotiefe Bräune kommt
nicht von einer kubanischen Muttern,
sondern vom Solarium in Schkeuditz,
wo er immer gelebt hat und immer leben wird.
Nach einer Dreiviertelstunde ungelenker Bewegungen
wird Gisela eine Träne vergießen,
nicht weil Günther beim Tanzen immer nach anderen Frauen schielt,
nicht weil er schon wieder vergessen hat,
dass gestern ihr Hochzeitstag war,
nicht gemerkt hat, dass sie eine neue Frisur,
ein neues Parfüm und drei Kilo abgenommen hat.
Sondern weil er ihr zum sechsten Mal auf den Fuß getreten ist
und die hochhakigen Schuhe sowieso scheuern und schaben und weh tun.
Aber Schärfe ist bekanntlich kein Geschmack,
sondern ein Schmerz,
ein Reiz an Rezeptoren,
die Hitze registrieren.

Mit alles, aber ohne scharf,
so wie ein Schlager von Helene Fischer,
mit vollem Orchester und ohne Ecken und Kanten,
so wie die Predigt vom letzten Sonntag,
mit gelehrten Exkursen
und vielen „Ein Stück weit“s und „Irgendwie“s,
und nichts,
was die Ohren irritieren,
die Nerven kitzeln,
bis in die Fingerspitzen
wärmen und vielleicht
zu Tränen rühren könnte.
Und ich denke:
Hat euch denn keiner gesagt,
dass stumpfe Messer gefährlicher sind als scharfe?

Aber Schärfe ist kein Geschmack,
sondern ein Schmerz,
mit alles, aber ohne scharf,
ist der Wunsch nach einem Leben
mit ohne,
ohne
Scherben, Steine, Schrott und Schroffes,
Schwarzes und Schattiges,
Schluchzen, Schocks und Stolperfallen,
Schrilles und Schwieriges,
Schrecken und Schwere,
Schatten und Schaden,
Schwielen und Schwellen,
Schürfwunden, Schleudertrauma, Stauchungen und Schleifspuren,
Schluchten und Steilhänge,
ein Leben ohne Scheiße,
ohne Schuld
und Sterben.

Mit alles, sagt der Typ vor mir im Dönerladen,
doch noch bevor der Dönermann den schönen Fladen
mit allem, was er hat beladen
kann, wird er gestoppt:
Mit alles, aber ohne scharf.
Und in meinem Kopf
legt der Dönermann sein Messer hin
und dreht sich um
und beugt sich über die Theke
und zieht den Typ zu sich heran,
ganz nah, bis er den Schrecken
in seinen Augen sehen kann,

und sagt ihm leise ins Gesicht:
Sorry, sowas gibt’s hier nicht.